Elternnewsletter von Sucht Schweiz - Juni 2013


Liebe Eltern
Haben Sie ein Kind im Jugendalter? Und kennen Sie das Gefühl, dass Sie für dieses völlig uninteressant sind? Hatten Sie auch schon den Eindruck, dass sich Ihr Kind belästigt fühlt, wenn Sie es fragen, was es gemacht hat, wenn Sie sich nach seinen Freundinnen und Freunden erkunden oder seine Meinung zu Alkohol und Zigaretten wissen wollen?
Wenn Kinder zu Jugendlichen werden, verändert sich die Beziehung zwischen ihnen und den Eltern; für Jugendliche werden Freundinnen und Freunde immer wichtiger. Trotzdem: Die Eltern spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Allerdings kann es schwierig sein, den richtigen Umgang miteinander zu finden. Von den Eltern ist manchmal viel Feingefühl für das richtige Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz gefordert.

Gespräche sind wichtig!

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Was können Eltern zur Prävention von Suchtmittelkonsum beitragen? Studien konnten zeigen, dass die Gespräche zwischen den Eltern und Jugendlichen vor dem Konsum von psychoaktiven Substanzen wie Alkohol, Cannabis oder Tabak schützen können.
Sprechen Sie mit Ihrem Kind über sein Freizeitverhalten; fragen Sie es, mit wem es verabredet ist. Wie untenstehende Grafik zeigt, konsumieren Jugendliche, deren Eltern wissen, wie sie ihre Freizeit verbringen, seltener Alkohol als Jugendliche, deren Eltern darüber nicht informiert sind.

   
Abbildung 1: HBSC, 2010, Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum bei Jugendlichen. Klicken Sie auf die Grafik!

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Wichtig ist auch, dass Jugendliche den Eltern vertrauen und sich mit ihren Sorgen an sie wenden können. Nachfolgende Grafik verdeutlicht dies. Allerdings kann der Kontakt zu einem Jugendlichen recht schwierig sein. Es braucht viel Geduld – und manchmal auch Beharrlichkeit. Meist sind Gespräche möglich, doch es kann auch sein, dass man bei seinem Kind auf Granit stösst und die Jugendliche oder der Jugendliche den Dialog verweigert. Sollten Sie sich mit Ihrem Kind in einer solchen Sackgasse befinden, empfehlen wir Ihnen, sich beraten zu lassen; sei es auf einer Beratungsstelle oder über ein telefonisches Unterstützungsangebot. Entsprechende Kontakte finden Sie am Ende dieses Newsletters.

   
Abbildung 2: HBSC, 2010, Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum bei Jugendlichen. Klicken Sie auf die Grafik!

Habe ich eine Ahnung, was mein Kind konsumiert?

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Haben Sie Ihr Kind schon mal gefragt, ob und wie viel Alkohol es trinkt? Falls ja: Erinnern Sie sich daran, in welchem Alter Ihr Kind war, als Sie das Thema zum allerersten Mal aufgegriffen haben? Haben Sie vielleicht sogar darüber gesprochen, welche Bedeutung Alkohol für Ihr Kind hat, und unter welchen Umständen es versucht sein könnte, Alkohol zu konsumieren?

Weshalb sollen Sie Ihr Kind all das fragen? Eine kürzlich in den Kantonen Waadt und Genf durchgeführte Studie hat gezeigt, dass Eltern den Suchtmittelkonsum ihrer Kinder unterschätzen, und zwar besonders stark, wenn es um Alkohol geht.
Interessant dabei ist, dass der Konsum umso stärker unterschätzt wird, je jünger die Jugendlichen sind. Ein Grund dafür könnte sein, dass jüngere Jugendliche viel seltener nach ihrem Suchtmittelkonsum gefragt werden als ältere Jugendliche (siehe untenstehende Grafik). Dadurch, dass Eltern bei den Jüngeren weniger nachfragen, haben sie weniger Informationen und können deshalb den tatsächlichen Konsum schlechter abschätzen.
Zwar geben viele Eltern an, dass es ihnen relativ leicht fällt, mit ihren Kindern über einen allfälligen Suchtmittelkonsum zu sprechen. Doch wie die Zahlen zeigen, tun sie dies meist erst, wenn ihre Kinder 16 Jahre oder älter sind.

   
Abbildung 3: Aus Bericht "Mon ado et les substances" (Übersetzung und Anpassung durch Sucht Schweiz) Klicken Sie auf die Grafik!

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Tatsächlich ist es aber so, dass die meisten Jugendlichen bereits im Alter von 13 Jahren die Gelegenheit haben, Alkohol zu konsumieren. Gemäss der HBSC-Studie von 2010 trinken 15% der Jugendlichen mit 13 Jahren mindestens einmal pro Monat Alkohol, 6% sogar mindestens einmal pro Woche.
Nutzen Sie deshalb frühzeitig Gelegenheiten, bei welchen Alkohol konsumiert oder thematisiert wird, um mit Ihrem Kind über Alkohol zu sprechen. Anlass dazu kann beispielsweise ein Plakat mit Alkoholwerbung sein. Diskutieren Sie über die Methoden, welche die Industrie einsetzt, um den Alkohol mit einem positiven Lebensstil zu verknüpfen, damit er sich besser verkauft. Motivieren Sie Ihr Kind, die Werbung kritisch zu hinterfragen. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie Ihr Kind fragen, wie es reagieren würde, wenn ihm Alkohol oder Zigaretten angeboten werden. Auch daraus kann sich eine spannende Diskussion entwickeln.

   

In Kürze

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  • Denken Sie daran, dass Sie in der Jugendzeit nach wie vor eine wichtige Rolle im Leben Ihres Kindes spielen, auch wenn der Einfluss der Freundinnen und Freunde zunimmt.

  • Seien Sie offen für Diskussionen.

  • Geben Sie Ihrem Kind mit zunehmendem Alter mehr Freiheiten, aber setzen Sie gleichzeitig klare Grenzen.

  • Diskutieren und definieren Sie zusammen mit den Regeln auch klare Konsequenzen, falls die Regeln nicht eingehalten werden. Und halten Sie dann auch an Gesagtem fest!

  • Wenn Ihr Kind ausgeht, fragen Sie es, wohin es geht, mit wem und wie es nach Hause kommen wird.

  • Seien Sie standfest, wenn es um Alkohol geht. Jugendliche erwarten, dass die Eltern diesbezüglich streng sind.

   

Websites, Telefonnummern und Adressen

Beratung finden Eltern auch bei den Jugend- und Familienberatungsstellen in den Kantonen.

Für Jugendliche:

Sucht Schweiz ist eine private Stiftung. Wir danken allen, die uns unterstützen.

PC: 10-261-7