Elternnewsletter von Sucht Schweiz - Mai 2012


Liebe Eltern,
Energy-Getränke sind bei Jugendlichen beliebt. Auffallende und witzige Werbung, das Sponsoring von trendigen Events und neue Geschmacksrichtungen sorgen dafür, dass immer wieder neue Kaufanreize für ein immer grösseres Publikum geschaffen werden. Mit Namen wie Hot Kiss, Pussy, Zombie Blood, 9mm oder Kalaschnikow in Verbindung mit entsprechenden Verpackungen wird insbesondere die Neugierde jüngerer Jugendlicher angesprochen.

 

Marktführer ist mit einem geschätzten (weltweiten) Marktanteil von 70% und einer Umsatzsteigerung von 12% im Jahr 2011 Red Bull. Das Originalgetränk stammt aus Thailand. In Europa wurde das Getränk zuerst in Österreich verkauft; in vielen anderen Ländern war es unter anderem wegen des Taurins verboten; in der Schweiz bis 1994. Dieses Verbot und die Mythen um das Taurin und weitere Zusatzstoffe förderten den Kultstatus. Auch heute noch kursieren im Internet zahlreiche Gerüchte über diese und ähnliche Energy Drinks. Dementsprechend gross ist der Reiz für Jugendliche.
Energy Drinks entsprechen dem Zeitgeist. Es gilt, jederzeit topfit zu sein. Energy Drinks wie auch andere angereicherte Nahrungsmittel versprechen, Körper und Geist optimal zu versorgen. Somit lassen sich Energy Drinks ideal vermarkten: Sie schmecken süss, ihre Inhaltstoffe umgibt ein Geheimnis und sie versprechen aussergewöhnliche Leistungen. Um dieses Leistungsversprechen herum hat Red Bull seine Werbung, sein Marketing und sein Sponsoring aufgebaut. Zwischen 25% und 35% des Umsatzes in einem Land wird für entsprechende Aktivitäten eingesetzt.
Die Wissenschaft ist bisher zu keiner eindeutigen Aussage darüber gekommen, ob Energy Drinks mit Koffein und Taurin in geringen Mengen für Erwachsene schädlich sind oder nicht. Es wird vermutet, dass Taurin die Wirkung von Koffein verstärkt bzw. beschleunigt. Bei koffeinempfindlichen Personen oder bei übermässigem Konsum kann es zu entsprechenden Nebenwirkungen wie Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit etc. kommen.

Koffeinhaltige Energy Drinks sind sehr süss (ca. 10g Zucker pro 100ml), sehr sauer (pH-Wert 3.4; Coca Cola pH Wert 2.6; neutral pH-Wert 7) und enthalten 80mg Koffein (vergleichbar mit einem Espresso oder einer Tasse leichten Filterkaffees). Oder anders gesagt: Sie haben viele Kalorien ohne zu sättigen, sie greifen die Zähne an und sie wirken aufputschend. Wobei die aufputschende Wirkung nur zu einem Teil dem Koffein, sondern vielmehr dem Zucker zuzuschreiben ist.

 

Energy Drinks: nicht ohne Risiko

Energy Drinks gibt es auch als so genannte Shots. Die Konzentrate enthalten gleich viel Koffein wie eine normale Dose (80mg); da sie aber schneller getrunken werden können („Shot“), ist die Gefahr einer Überdosierung erhöht. Dabei kann es zu Unruhe, Schweissausbrüchen, Herzrasen, erhöhtem Blutdruck und Zittern äussern.
Energy Drinks als sogenannte „coffeinhaltige Spezialgetränke1 “ müssen entsprechend gekennzeichnet sein: Der Anteil von Koffein und anderen Zusätzen muss deklariert werden und die Verpackung muss darauf hinweisen, dass solche Getränke für Kinder, schwangere Frauen und koffeinempfindliche Personen ungeeignet sind und dass sie nicht mit Alkohol gemischt werden sollen. Dennoch werden Energy Drinks häufig mit Wodka gemischt und in Bars auch gemeinsam angeboten.
Beim Mischen mit Alkohol überwiegt der starke Eigengeschmack von Energy Drinks, so dass der Alkohol kaum geschmeckt wird. Der Alkohol ist subjektiv weniger spürbar; die Wirkung wird unterschätzt und so sind schnell mehrere Drinks konsumiert. Man ist schnell stark alkoholisiert, was verschiedene Risiken birgt (Unfallgefahr, Kontrollverlust etc.). Durch den gleichzeitigen Alkohol- und Koffeinkonsum wird zudem der Kreislauf übermässig belastet.

([1] Verordnung des EDI über Speziallebensmittel)

Energy Drinks sind für Jugendliche leicht erhältlich. Es gibt in der Schweiz keine Verkaufseinschränkungen. Da sie Koffein und Taurin enthalten, sollten kleinere Kinder gar keine solchen Getränke trinken. Wenn Jugendliche gelegentlich, zum Beispiel anlässlich eines Festes an einem Wochenende, einen Energy Drink zu sich nehmen, ist dies in der Regel unbedenklich. Kritisch ist jedoch der übermässige Konsum Wie können Sie also verhindern, dass Ihr Kind zu viel davon trinkt?

Tipps

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  • Energy Drinks wie auch Süssgetränke wie Cola und Limonaden, isotonische Sport-Getränke und Eistee sind als Durstlöscher im Alltag nicht geeignet und fördern durch den hohen Kaloriengehalt das Übergewicht. Machen Sie Ihren Kindern Wasser, verdünnte Säfte, ungesüssten Kräuter oder Früchtetee und Ähnliches schmackhaft und gehen Sie selbst mit gutem Beispiel voran.

  • Durch gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf lassen sich Müdigkeitsattacken und Energietiefs verringern. Stark zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke erhöhen zwar kurzfristig das Energielevel, führen aber meist nach kurzer Zeit zu einem erneuten Tief. Achten Sie auf ein vollwertiges Frühstück; Energy Drinks sind – wie Kaffee – kein Frühstücksersatz!

  • Energy Drinks (wie auch Kaffee, Guarana, Mate und Ähnliches) sind im Prinzip Dopingmittel - wenn auch legale. Es besteht das Risiko, dass es zur Gewohnheit wird, in Leistungssituationen solche Mittel zu sich zu nehmen. Es kann das Gefühl entstehen, dass es „ohne“ nicht geht. Zeigen Sie den Kindern Alternativen zum Griff nach aufputschenden Mitteln auf. Und überdenken Sie Ihren eigenen Umgang mit Leistungsgrenzen.

  • Diskutieren Sie mit Ihren Kindern die Marketingstrategien der Industrie, hinterfragen Sie die übermittelten Botschaften. Analysieren Sie gemeinsam die Inhaltsangaben auf den Getränkedosen und vergleichen Sie verschiedene Getränke miteinander.

   

Interessante Links und weiterführende Informationen:

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  • Ausführlichere Informationen zu Energy Drinks finden Sie auf dem Factsheet von Sucht Schweiz

  • Ein Merkblatt zum Thema Flüssigkeitsbedarf können Sie hier herunterladen.

  • Hier finden Sie einen interessanten Artikel zur Geschichte von Red Bull und dem gekonnten Spiel mit geheimnisvollen Zutaten.

  • Ein Werbespot von Red Bull zum Thema Extrem-Sport.

  • Der Kassensturz hat 2009 verschiedene Energy Drinks auf ihren Säuregehalt getestet und die Ergebnisse mit anderen Süssgetränken verglichen.

  • Zum Thema „Sinn von Sportlergetränken“ gibt es einen Bericht.

  • Weitere Informationen zu Energy Drinks.
   

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