Was tun, wenn die Party kippt?

Jugendliche im Fokus

11.06.2026

Ein Abend, der anders endet

Abschlussparty, laute Musik, ein Becher in der Hand – und das Gefühl, endlich dazuzugehören. Für einen Moment scheint alles leicht. Doch zwischen Lachen, Blicken und Erwartungen kippt die Stimmung leise. Eine 15-Jährige erzählt, wie schmal der Grat ist zwischen Ausprobieren und Überforderung – und wie entscheidend es sein kann, im richtigen Moment zu wissen, was zu tun ist.

Ich stehe vor dem Spiegel und wechsle zum dritten Mal mein Shirt. Ich bin nervös. «Werden sie alle kommen?» Mein Handy vibriert. «Sind unterwegs!!!», schreibt Alina. In meinem Bauch kribbelt es. In der Küche klappert das Geschirr, alles wie immer. Die Mama räumt auf. Ich verabschiede mich und verspreche, um elf heimzukommen.

Draussen ist es warm, ein perfekter Sommerabend. Als ich Alina sehe, winkt sie mir schon von Weitem. «Das wird so gut heute», ruft sie. Auf der Wiese am See nimmt die Party Fahrt auf. Der Bass der Musik hämmert bis in meinen Brustkorb.
Ich beobachte die Tanzenden, die Luft riecht nach Schweiss und süsslichem Dampf, und mein Herz rast. Weshalb eigentlich?

 

Das wird unglaublich

Seit Wochen reden wir von kaum etwas anderem. Endlich kann die Abschlussparty unserer Klasse steigen. «Das wird legendary», haben einige prophezeit. Und ich hab‘s geglaubt. Jetzt bin ich hier, fünfzehn Jahre alt, in Jeans, die ich mir extra für heute gekauft habe, und mir ist etwas mulmig zumute. Neben mir steht Alina, meine beste Freundin seit Beginn der Schulzeit. Sie hält mir einen Plastikbecher hin. «Der Drink geht runter wie nix.» Sie habe schon vier genommen. Darin schwappt etwas Durchsichtiges, das nach Gummibärchen riecht. «Probier mal. Du schmeckst den Alkohol gar nicht.»

Als Alina tanzt, kleben ihre verschwitzten Haare an der Stirn. «Komm!», ruft sie, zieht mich mit. Ich tanze. Erst steif, dann weniger.

 

Die Stimmung kippt

In einer Tanzpause nehme ich den zweiten Becher und höre meine eigene Stimme im Kopf: Du musst gar nichts. Dann eine andere: Stell dich nicht so an. Ich nippe am Getränk und sehe, dass Alina wie erschöpft am Boden liegt. «Alina?», frage ich. Keine Antwort. Mein Magen zieht sich zusammen. Ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich weiss nur, dass es sich falsch anfühlt,
hier zu stehen und nichts zu machen. Ich zögere. Was, wenn ich übertreibe? Was, wenn ich sie verrate?

Dann erinnere ich mich an diesen Workshop in der Schule. Eine Frau hat erzählt, ruhig, ohne Drama. Was man tun kann. Woran man merkt, dass es zu viel ist. «Lieber einmal zu früh Hilfe holen als einmal zu spät», hat sie gesagt. Ich ziehe mein Handy raus und tippe eine Nummer ein. Meine Finger zittern. Ich erkläre, wo wir sind. Dass meine Freundin komisch und gar nicht mehr ansprechbar ist. Dass ich unsicher bin und Angst habe.

Jugendliche sind anfälliger für die Risiken des Substanzkonsums

Dann wird es hektisch

Die Minuten danach sind verschwommen. Jemand bringt Wasser. Jemand macht Platz. Die Musik wird abgestellt. Als die Hilfe kommt, weiss ich nicht, ob ich mich schämen oder erleichtert sein soll. Sie bringen Alina in Seitenlage, fühlen nach dem Puls. Ein Spitalaufenthalt ist zum Glück nicht nötig. Die Eltern werden alarmiert. Zu Hause schläft Alina bis zum nächsten Mittag durch. Dann gehe ich sie besuchen. Sie ist blass und murmelt «Danke». Ihre Stimme ist rau. Ich nicke nur.

Auf dem Heimweg denke ich an diesen Satz aus dem Workshop. Dass Wissen manchmal genau das ist, was zwischen «egal» und «es wird ernst» steht.

*Namen und Bilder zum Schutz der Personen geändert.

Jugendliche sind anfälliger für die Risiken des Substanzkonsums

Zum Jugendalter gehört ein ausgeprägtes Bedürfnis, Neues auszuprobieren sowie die Bereitschaft, Risiken einzugehen, z. B. beim Konsum psychoaktiver Substanzen. Während dieses Verhalten im Entwicklungsprozess als normal angesehen werden kann, kann es negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben und sich zu einem häufigen Konsum entwickeln. Das Gehirn und der Körper von Jugendlichen reagieren besonders sensibel auf psychoaktive Substanzen.

Im Notfall

Besteht der Verdacht auf eine Alkoholvergiftung, liegt ein medizinischer Notfall vor. Betroffene leiden an einer unregelmässigen Atmung, die Haut wird kühl und feucht. Sie können an Erbrochenem ersticken oder an einem Ausfall der Atmung sterben. Jugendliche sollten wissen, dass sie die Ambulanz rufen müssen, wenn jemand eine Alkoholvergiftung erleidet.

Der Notfall-Pass von Sucht Schweiz passt in jedes Portemonnaie und kann auch telefonisch unter 021 321 29 11 bestellt werden. Vielleicht geben Sie ihn Ihrem (Enkel-)Kind weiter – daraus könnte ein wichtiges Gespräch entstehen.

 

 

Ihre Spende hilft!

Herzlichen Dank, dass Sie unser Engagement gegen Suchtprobleme unterstützen. Gemeinsam können wir die Situation von Betroffenen und Angehörigen verbessern.

Zeitschrift herunterladen