Eine Studie untersucht die Cannabisprodukte auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt
20.01.2026
Eine neue Studie untersucht die Cannabisprodukte, die auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt im Umlauf sind, und vergleicht sie mit denjenigen, die im Rahmen des von der Stadt Lausanne durchgeführten Pilotprojekts Cann-L angeboten werden. Die Studie zeigt die sehr starken Variationen und Unsicherheiten auf dem Schwarzmarkt, wo Harze mittlerweile im Durchschnitt viel stärker dosiert und billiger sind als Blüten. Zwar gibt es auf diesem Markt Mengenrabatte, doch scheint es keinen klaren Zusammenhang zwischen dem gezahlten Preis und dem THC-Gehalt zu geben. Im Vergleich dazu bietet das Pilotprojekt Cann-L Produkte zu ähnlichen Preisen an, die jedoch wesentlich sicherer sind, sowie begleitet und mit Massnahmen zur Risikominderung verkauft werden.
Über die Eigenschaften der auf dem Schweizer Schwarzmarkt verkauften Cannabisprodukte liegen nur wenige Daten vor. Durch die Einführung von Pilotprojekten zum Verkauf von Cannabis seit 2023 stehen nun bessere Daten zu diesem Thema zur Verfügung. In der öffentlichen Diskussion wird unter anderem die Frage aufgeworfen, ob diese vom Bund genehmigten Pilotprojekte in der Lage sind, mit dem Schwarzmarkt zu konkurrieren.
Der von Sucht Schweiz erstellte Bericht «Analyse der THC-Gehalte, Preise und Kaufart von Cannabis auf dem Schwarzmarkt im Kanton Waadt» (Französisch, mit Zusammenfassung auf Deutsch) stützt sich auf die Auswertung von fünf Datenquellen: Polizeibeschlagnahmungen, CannCheck- und Drug-Checking-Projekte, die Europäische Online-Drogenumfrage (ESWD) und das Pilotprojekt Cann-L. Diese einzigartige Datensammlung ermöglicht es, eine Reihe von Informationen über THC-Gehalte, gezahlte Preise und gekaufte Mengen sowie die Beschaffungspraktiken auf dem Waadtländer Schwarzmarkt für Cannabis miteinander zu verknüpfen.
Starke Preisvariationen und Unsicherheiten bezüglich des THC-Gehalts auf dem Schwarzmarkt
Die Daten zeigen starke Variationen bei den Preisen für Cannabisprodukte (1 bis 37 CHF pro Gramm) sowie beim THC-Gehalt von Blüten (1 % bis 33 %) und Harzen (2 % bis 61 %), was auf illegalen Märkten nicht ungewöhnlich ist. Auf diesen verfügen die Konsumierenden nur über wenige Informationen, um ihre Entscheidungen zu treffen, und sind grosser Unsicherheit und verschiedenen Risiken ausgesetzt.
Der durchschnittliche THC-Gehalt des auf dem Waadtländer Schwarzmarkt gehandelten Cannabis variiert je nach Produktart: Blüten weisen durchschnittlich 13–15 % THC auf, während Harze nach einer jüngsten Steigerung nun doppelt so viel (30 %) enthalten. Die Durchschnittspreise pro Gramm sind hingegen für Blüten (10 CHF pro Gramm) höher als für Harz (8 CHF). Letzteres wird in der Regel importiert und ist mittlerweile das Produkt mit dem höchsten Wirkstoffgehalt und dem niedrigsten Preis auf dem Schwarzmarkt.
Dabei besteht ein Zusammenhang zwischen der gekauften Menge und dem Preis, was einem Mengenrabatt gleichkommt. Bei kleinen Mengen (1–3 Gramm) liegen die durchschnittlichen Preise daher deutlich höher und liegen bei etwa 14 CHF pro Gramm für Blüten und 12 CHF für Harz. Es gibt andererseits keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem gezahlten Preis und dem THC-Gehalt der beiden Produkte, was verdeutlicht, dass dieser Markt für die Konsumierenden oft einer Lotterie gleicht.
Dealer und Freunde bleiben die wichtigsten Bezugsquellen
Der Direktkauf ist die vorherrschende Bezugsquelle auf dem Schwarzmarkt, hauptsächlich bei Dealern oder Freunden/Bekannten, während Weitergabe, Eigenproduktion und Kauf über das Darknet oder soziale Netzwerke bisher eher eine untergeordnete Rolle zu spielen scheinen.
Das Cann-L-Pilotprojekt im Vergleich zu Produkten auf dem Schwarzmarkt
Die Hauptunterschiede zwischen Produkten auf dem Schwarzmarkt und denjenigen, die im Rahmen des Pilotprojekts der Stadt Lausanne angeboten werden, sind der höhere durchschnittliche THC-Gehalt der Harze und die niedrigeren Preise beim Kauf grosser Mengen Cannabis. Ansonsten scheint das Angebot des Pilotprojekts konkurrenzfähig zu sein, und beinhaltet zusätzlich Qualitätskontrollen (THC-Gehalt, Schimmelpilze, Pestizide usw.), Vorhersehbarkeit und Betreuung, was im Schwarzmarkt fehlt. Deswegen geben die meisten Teilnehmer des Pilotprojekts an, sich ganz oder zumindest teilweise vom Schwarzmarkt zurückgezogen zu haben, wodurch diesem im Jahr 2024 fast eine Million Franken Umsatz entzogen wurden (Udrisard et al., 2025).
Auskunft
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