Sucht Schweiz – Wie gut verschreiben die Hausärzte? Französische Studie zeigt Mängel bei der Verschreibung von Medikamenten auf
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Wie gut verschreiben die Hausärzte? Französische Studie zeigt Mängel bei der Verschreibung von Medikamenten auf

15. April 2000, 00:00

Ergebnisse einer französischen Studie der Universität Paris über die Qualität der ärztlichen Verschreibung von Arzneimitteln lassen aufhorchen. Auf den Rezepten finden sich fast ein Zehntel therapeutisch nicht optimaler Medikamente, bis zu 40% Überdosierungen und riskanter Pillenkombinationen sowie bei bestimmten Krankheitsbildern eine Verschreibung von bis zu 90% unwirksamer Arzneimittel. Dies wirft nach Ansicht der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) in Lausanne auch für die Schweiz die Frage nach der Qualität dessen auf, was Ärzte und Ärztinnen verordnen.

Frankreich gilt als Land, in dem die Ärzte ihren Patienten und Patientinnen gern und viele Medikamente verschreiben. Doch nicht alles, was auf des Doktors Rezept steht, ist fachlich zur Genesung der Kranken angezeigt und unter Kostengesichtspunkten im Gesundheitswesen optimal. Französische Biostatistiker der Universität Paris haben kürzlich eine grosse Studie zur Qualität der Medikamentenverschreibung durch Hausärzte vorgelegt, die nach Ansicht der SFA mustergültig ist. Eine vergleichbare Studie in der Schweiz wäre wünschenswert, denn fehlerhafte Verschreibungen von Arzneimitteln können zu Gesundheitsschäden und Medikamentenabhängigkeit führen sowie beträchtliche Folgekosten verursachen.

Unwirksam, zuviel, riskante Mischungen und völlig daneben

Über 23'000 Verschreibungen von 1000 Hausärzten, bezogen auf 5 Krankheitsbilder (Schnupfen, Mandelentzündung, Bluthochdruck, Knochen- und Gelenkentzündung, Rückenbeschwerden), untersuchten die Forscher mit Hilfe eines strengen Protokolls. Sie wollten u.a. wissen, ob die über 2000 verschriebenen Medikamente therapeutisch zweckmässig und wirksam waren und in richtiger Dosierung, Dauer der Einnahme und Kombination mit anderen Arzneimitteln verordnet worden waren? Die Ergebnisse sind nicht gerade schmeichelhaft für die Praktiker und Praktikerinnen. Volle 30 bis 90 Prozent (je nach Krankheitsbild) der Verschreibungen enthielten Medikamente, deren Wirksamkeit nicht erwiesen ist. Bis zu 40% der Rezepte waren fehlerhaft hinsichtlich der Dosierung, Einnahmehäufigkeit und riskanter Arzneimittel-Mischungen. Bei 8% der Verschreibungen war das Medikament für die Krankheit sogar definitiv falsch. Diese Zahlen als rein französisches Problem abzutun, ist nach Ansicht der SFA leichtsinnig: das Problem der Qualität ärztlicher Medikamentenverschreibungen dürfte sich auch hierzulande finden.

Quelle: Joel Coste, Alain Venot: An Epidemiologic Approach to Drug prescribing Quality Assessment. A Study in Primary Care in France. Medical Care, Vol 37, Number 12, pp. 1294-1307

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