Sucht Schweiz – Tabak und Nikotin: Neue Fakten geben Orientierung im Produkte-Dschungel
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Tabak und Nikotin: Neue Fakten geben Orientierung im Produkte-Dschungel

15. März 2018, 10:40

Foto: ©Fotolia

Der Nikotinmarkt verändert sich schnell: Neben der klassischen Zigarette werden vermehrt auch die Wasserpfeife, Snus und seit wenigen Jahren E-Zigaretten sowie Tabakprodukte zum Erhitzen konsumiert. Doch sind diese Produkte auch wirklich risikoärmer? Sucht Schweiz bringt nun Klarheit: In einem Factsheet-Dossier sind die neusten Forschungsergebnisse zu Inhalten, Verwendung und Gesundheitsfragen pro Produktekategorie übersichtlich dargestellt. Für Menschen, denen der Rauchstopp nicht gelingen will, kann der Umstieg auf alternative Produkte sinnvoll sein, aber die Verbreitung weiterer Produkte führt nicht automatisch zu einer Verbesserung der öffentlichen Gesundheit.

Die gesundheitlichen Schäden durch den Nikotinkonsum sind meist dem Umstand geschuldet, dass das Nikotin durch die Verbrennung von Tabak zugeführt wird. Doch die Palette von alternativen Produkten wird laufend grösser. Sind sie aber wirklich risikoärmer? Sucht Schweiz hat den aktuellen Wissenstand in Factsheets zusammengetragen. Dabei liegt der Fokus einerseits auf der persönlichen Risikoreduktion und andererseits auf der Frage, mit welcher Politik die Schäden für die öffentliche Gesundheit am kleinsten gehalten werden können.

Kleineres individuelles Gesundheitsrisiko durch Alternativen

Am besten fährt, wer gar nie in den Konsum von Nikotinprodukten einsteigt. Vor allem Zigaretten erzeugen eine starke Abhängigkeit, weshalb der Ausstieg vielen nicht gelingt. Für solche Situationen kann der Umstieg auf weniger schädliche Produkte ein «kleineres Übel» sein und die gesundheitlichen Risiken vermindern. Wie steht es nun um diese Produkte?

  • Erhitzte Tabakprodukte geben auf Grund der tieferen Temperatur weniger Schadstoffe als Zigaretten ab. Der Tabak verglimmt nicht, aber es verbleibt eine Vermottung (Pyrolyse), wodurch Rauchpartikel nachweisbar bleiben. Noch ist unklar, inwiefern das Risiko wirklich vermindert wird.
  • Bei E-Zigaretten findet gar keine Verbrennung statt, aber es ist ein Rest an Schadstoffen nachweisbar. Das Gesundheitsrisiko ist aber kleiner als bei Zigaretten.
  • Zu Snus und Schnupftabak liegen im Gegensatz zu obigen Produkten bereits Langzeitstudien zu Gesundheitsrisiken vor: Sie weisen nur ein geringes Gesundheitsrisiko aus.

Solche Produkte können gewissen Personen auch helfen, schlussendlich ganz von Nikotinprodukten wegzukommen, aber dies ist individuell sehr unterschiedlich, weshalb sie nicht generell als effektive Ausstiegshilfen bezeichnet werden können. Und allen Ausstiegshilfen ist gemeinsam, dass der Erfolg stark von fachlicher Beratung und Begleitung abhängt.

Reduktion der Schäden nur mit starker Gesundheitspolitik möglich

Wenn Produkte wie E-Zigaretten oder Snus für den Einzelnen zur Risikoreduktion dienen kann, heisst das nicht automatisch, dass ein verbreiteter Konsum die Anzahl Todesopfer und die gesellschaftlichen Kosten vermindert. Dies ist nach dem aktuellen Stand der Forschung nur zu erreichen, wenn gleichzeitig die Attraktivität von Zigaretten durch verschiedene Massnahmen (Preis, Verbot der Werbung, Reduktion des Nikotingehalts und attraktiver Zusätze) vermindert wird. So sind die Erfolge in Grossbritannien respektive in Schweden zu erklären. Zudem sollte sichergestellt werden, dass nur Rauchende auf diese Produkte umsteigen und nicht junge Menschen damit in den Nikotinkonsum einsteigen.
Die Schweiz hat eine der liberalsten Tabakpolitiken aller Industrieländer. Wenn nicht die Attraktivität der Zigarette (und schliesslich aller Tabakprodukte) vermindert wird, riskiert die durch das neue Tabakproduktegesetz geplante (offizielle) Zulassung von Snus und nikotinhaltigen E-Zigaretten den Schaden für die öffentliche Gesundheit gar zu vergrössern. Denn das Marketing der neuen Produkte wird dafür sorgen, dass deren Konsum ansteigt, ohne den Zigarettenkonsum zu senken. Die Schweiz hätte gerade jetzt die Gelegenheit, mit einem zielgerichteten Gesetz die Volksgesundheit wesentlich zu verbessern.

Auskunft:
Markus Meury
Mediensprecher
mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 63

Die Stiftung Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel der Stiftung ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Mehr als 200`000 Personen unterstützen unsere NGO.

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Monique Portner-Helfer
mportner-helfer@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

Tel: 021 321 29 74
(Montag)/Dienstag/Mittwoch)

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mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

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