Sucht Schweiz – Rund 11'500 Personen pro Jahr wegen Alkoholvergiftung im Spital
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Rund 11'500 Personen pro Jahr wegen Alkoholvergiftung im Spital

27. August 2019, 10:30

Wegen Alkoholvergiftung im Spital

Im Jahr 2016 wurden rund 11’500 Personen wegen einer Alkoholvergiftung stationär im Spital behandelt. Alkoholvergiftungen treten mit zunehmendem Alter häufiger auf, wobei in fast der Hälfte der Fälle auch eine Abhängigkeit diagnostiziert wird. Sucht Schweiz fordert unter anderem, den Alkoholverkauf nachts vermehrt einzuschränken. Kantone in der Romandie machen es vor und schützen so bei weitem nicht nur junge Menschen.

Im Jahr 2016 wurden rund 11'500 Personen wegen einer Alkoholvergiftung in einem Schweizer Spital stationär behandelt. Die heute veröffentlichte Studie zur Anzahl der alkoholbedingten Behandlungen wurde von Sucht Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit durchgeführt. Sie analysiert die Zahlen der Jahre 2003 bis 2016 aus der «Schweizerischen Medizinischen Statistik der Krankenhäuser» des Bundesamts für Statistik. Bis 2008 nahmen Hospitalisierungen aufgrund einer Alkoholvergiftung stark zu, danach zeigt sich eine Trendwende (siehe Grafik). 

«Es ist besorgniserregend, wenn rund 11'500 Menschen pro Jahr wegen einer Alkoholvergiftung im Spital landen», sagt Grégoire Vittoz, Direktor von Sucht Schweiz. Denn eine Alkoholvergiftung kann tödlich sein oder zu bleibenden Gesundheitsschäden führen. Neben Vergiftungserscheinungen wie Gedächtnislücken, starker Übelkeit bis hin zu Kreislaufstörungen und Koma, besteht bei übermässigem Konsum ein deutlich erhöhtes Risiko für Unfälle und Verletzungen, Gewalt oder aggressives Verhalten. Von diesen Folgen sind auch Menschen im Umfeld betroffen. 

Mit zunehmendem Alter kommt oft die Diagnose Abhängigkeit dazu

Betrachtet man alle alkoholbezogenen Diagnosen, so wurden im Jahr 2016 mehr als 22'000 Personen in Spitälern stationär behandelt. Personen mit einer Hauptdiagnose Alkoholvergiftung haben oft die Nebendiagnose Alkoholabhängigkeit (48%) oder psychische und Verhaltensstörungen (39%), welche nicht direkt mit dem Gebrauch psychoaktiver Substanzen in Verbindung stehen. 

Hohe Dunkelziffer

Die stationären Spitaleinweisungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Ambulante Behandlungen in Spitälern oder von der Polizei nach Hause gebrachte Betrunkene sowie Fälle in ambulanten Behandlungsstellen wurden in der vorliegenden Studie nicht berücksichtigt. Bei jungen Menschen nahmen die Diagnosen der Gruppe Alkoholintoxikation langfristig (2003 bis 2016) um 23% bei Jungen/Männern und 36% bei Mädchen/Frauen zu. Im gleichen Zeitraum zeichnet sich bei allen Altersgruppen eine Trendwende ab: Die Diagnosen erreichten 2008 einen Peak und sanken bis 2016 wieder auf ein Niveau im Bereich von 2003 (siehe Grafik). Dafür werden mehrere Gründe diskutiert: Nebst einem veränderten Konsumverhalten im öffentlichen Raum könnten u.a. die Einführung von Notfallbetten und zentralen Ausnüchterungszellen oder der Trend zu mehr ambulanten Behandlungen eine Rolle spielen.  

Den Verkauf wirksamer regulieren und kontrollieren

Mit jährlich über 22'000 Personen mit alkoholbezogener Diagnose allein im Spital bleibt ein grosser Handlungsbedarf. «Um Alkoholvergiftungen zu vermindern, müsste der Alkoholverkauf besser reguliert werden», betont Grégoire Vittoz. Kantone in der Romandie machen es vor. Dass zeitliche Verkaufseinschränkungen über die Nachtstunden wirksam sind, zeigte jüngst eine Untersuchung von Sucht Schweiz und dem Universitätsspital Lausanne im Auftrag des Kantons Waadt. Sucht Schweiz ruft weitere Kantone dazu auf, dem Beispiel zu folgen. Mit einer für die Gesamtbevölkerung wenig einschränkenden und kostengünstigen Massnahme können die Notaufnahmen aufgrund von Alkoholvergiftungen deutlich vermindert werden. Ihre Wirkung hängt allerdings von Begleitmassnahmen ab, z.B. Schulung des Verkaufspersonals oder Testkäufe, die den Vollzug der Abgabebestimmungen an unter 16- bzw. 18-Jährige messen. 

Junge Menschen besser schützen
- Jugendliche reagieren empfindlicher auf Alkohol als Erwachsene, zumal der Konsum die Gehirnentwicklung beeinträchtigen kann.
- Preisliche Massnahmen, Verkaufs- und Werbeeinschränkungen stärken den Jugendschutz.

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