Sucht Schweiz – Nationale Aktionswoche vom 10.-16. Februar 2020: Wie können wir Kinder von suchtkranken Eltern unterstützen?
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Nationale Aktionswoche vom 10.-16. Februar 2020: Wie können wir Kinder von suchtkranken Eltern unterstützen?

06. Februar 2020, 11:00

Nationale Aktionswoche vom 10.-16. Februar 2020

In der Schweiz wachsen schätzungsweise 100'000 Kinder in einem Elternhaus auf, das von Alkohol oder anderen Substanzen schwer belastet ist. Diese Kinder verschweigen ihre Not aus Loyalität zu den Eltern, sie sind aber oft einsam und leiden massiv unter der Situation. Die zum zweiten Mal von Sucht Schweiz koordinierte Aktionswoche will das Tabu brechen und aufzeigen, wie diesen Kindern geholfen werden kann. Zahlreiche Organisationen in zwölf Kantonen führen hierzu 38 öffentlichkeitswirksame Aktionen durch. Kampagnenbotschafter sind der Radio- und Fernsehjournalist Jean-Marc Richard für die Westschweiz und die Filmemacherin Ursula Brunner für die Deutschschweiz. Ehemalige Betroffene stellen ihre Berichte zur Verfügung.

Wenn ein Elternteil alkoholabhängig ist, leidet die ganze Familie darunter. Für die Kinder bedeutet dies oftmals, dass das Familienklima angespannt, konfliktbeladen und unberechenbar ist. Sie sind täglich mit Angst, Scham, Schuldgefühlen, Unsicherheit und nicht zuletzt mit Isolation konfrontiert.

Die Sorge und Angst um Mama war nicht schön. Es gab Situationen, wo sie verschwunden ist, da habe ich schon Angst gehabt und mich gefragt, wo ist sie ist, was sie macht, ob ich sie suchen gehen muss. Und ich ging sie immer suchen. (Xenia*, 19 Jahre alt, wuchs mit einer alkoholkranken Mutter auf)

Kinder von alkoholabhängigen Eltern sind besonders gefährdet, später selbst zu erkranken. Im Vergleich zu Kindern aus Familien, die keine Suchtproblematik aufweisen, haben diese Kinder ein bis zu sechsmal höheres Risiko, eine Sucht zu entwicklen, hinzu kommt ein erhöhtes Risiko für weitere psychische Erkrankungen.

«Er war selber ein Kind eines alkoholabhängigen Vaters und er wollte alles selber schaffen. Hilfe zu holen, kannte er nicht». (Sandra*, 48, wuchs mit einem alkoholkranken Vater auf)


Kinder aus suchtbelasteten Familien lieben ihre Eltern und wollen sie schützen. Umgekehrt wollen auch suchtkranke Eltern gute Eltern sein und verheimlichen aus Angst und Scham ihre Probleme Deshalb bleibt die schwierige familiäre Situation meist geheim und die Kinder tragen die Last dieses Geheimnisses während der ganzen Kindheit. Ihr Leiden wird deshalb oft nicht erkannt.

«Es wird zu lange weggeschaut, bis es eskaliert, und das Kind wird buchstäblich aus der Familie gerissen wird. Dieses Trauma könnte durch frühzeitige gute Zusammenarbeit und Betreuung des Kindes oftmals verhindert werden» (Jasmin, 35, deren Eltern drogensüchtig waren).


Mit dieser nationalen Aktionswoche soll das Tabu gebrochen und die Öffentlichkeit für die Situation und die Bedürfnisse dieser Kinder sensibilisiert werden. Aber was konkret kann getan werden? In dieser Aktionswoche wird auch der Fokus darauf gelegt, was Aussenstehende bieten können, je nach Situation und Rolle der Person, und wo möglich auch in Absprache mit den Eltern. So zum Beispiel

  • Stabile Vertrauensbeziehungen zu aussenstehenden Personen (wie Grosseltern, Götti, Tante, Lehrpersonen, etc.) ermöglichen
  • Auszeiten für betroffene Kinder, um auf andere Gedanken zu kommen,
  • Praktische Unterstützung im Alltag,
  • Kontakt zu den heute existierenden amtlichen Fachstellen herzustellen.

Ich hätte mehr Auszeiten sehr gebrauchen können: Wochenenden, um mich zu erholen, Ferien, die ich sorglos hätte geniessen können. Ganz wichtig wären Stellen gewesen, wo ich hätte anrufen können und von wo dann auch jemand kommt und einem einfach unter die Arme greift (Suna Lommen, 51, wuchs mit einer alkoholkranken Mutter auf)


Diese Aktionswoche ist Teil einer internationalen Bewegung: Verschiedene Länder wie Deutschland, Grossbritannien und die USA führen seit mehreren Jahren in der Woche um den Valentinstag eine solche Aktionswoche durch. In der Schweiz führen zahlreiche Organisationen aus 12 Kantonen in ihrer Region öffentlichkeitswirksame Aktivitäten durch. Die Liste der 38 Aktivitäten und der Organisatoren finden sich im Anhang. Die lokalen Organisatoren sind Fachleute und geben den Medien gerne auch ihre Erfahrungen weiter.

Für die Deutschschweiz steht die Filmemacherin Ursula Brunner als Botschafterin der Aktionswoche zur Verfügung, für die Romandie der Radio- und Fernsehmoderator Jean-Marc Richard. Gerade heute abend wird das Fernsehen SRF zudem um 20.05 Uhr den Dokumentarfilm „Trinkerkinder“ von Ursula Brunner ausstrahlen, mit Wiederholungen am 7.2. um 11.45 Uhr und am 10.2 um 14.45 Uhr.

Weitere Informationen und Berichte, von Betroffenen, was ihnen als Kind in ihrer Situation geholfen hätte, finden Sie auch auf der Kampagnenwebsite  sowie hier:


Auskunft:
Markus Meury (Deutsch)
Mediensprecher
mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch  
 021 321 29 63

Lucile Ducarroz (Französisch)
Kampagnenleiterin
lducarroz@ich-will-keinen-spamaddictionsuisse.ch
Tel 021 321 29 19

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Mediensprecher

Monique Portner-Helfer
mportner-helfer@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

Tel: 021 321 29 74
(Montag, (Dienstag), Mittwoch)

Markus Meury
mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

Tel: 021 321 29 63
(Dienstag), Mittwoch, Donnerstag, Freitag

 

 

 
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