Sucht Schweiz – Cannabis: sind wir anders als die Nachbarländer?
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Cannabis: sind wir anders als die Nachbarländer?

08. Dezember 2016, 10:00

Eine neue Studie von Sucht Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit zeigt auf, dass Cannabismarkt und -konsum in der Schweiz eher der Situation der lateinischen als jener der deutschsprachigen Nachbarländer ähneln. Die erste regionale Analyse zeigt zudem, dass die aktuellen Monitoringsysteme nicht ausreichen, um den Cannabismarkt und den problematischen Konsum dieser Substanz besser zu verstehen.

Cannabiskonsum: Frankreich am oberen, Österreich am unteren Ende der Liste

Frankreich meldet europaweit eine der höchsten aktuellen Konsumprävalenzen (bezogen auf die 30 Tage vor der Erhebung), die Schweiz und Italien verzeichnen hohe, Deutschland mittlere und Österreich niedrige Vergleichswerte. In der Schweiz sowie in den vier Nachbarländern wird eine Stabilisierung oder ein in jüngster Zeit bisweilen zunehmender Cannabiskonsum beobachtet.

Konsum: vor allem eine Sache junger Männer

Cannabiskonsum ist nach wie vor ein für Jugendliche und junge Erwachsene typisches Phänomen, auch wenn ein Viertel der aktuell Konsumierenden in Frankreich und der Schweiz über 35 Jahre alt sind. Die Männer sind deutlich zahlreicher vertreten als die Frauen, besonders bezogen auf regelmässigen Konsum.
Ein Fünftel bis ein Viertel der aktuell Konsumierenden unter 35 Jahren konsumieren täglich oder fast täglich Cannabis, dies entspricht 1 bis 2 Prozent dieser Altersgruppe in der Schweiz, in Italien und in Deutschland. Die in den Erhebungen eingesetzten Diagnoseinstrumente legen nahe, dass die cannabisinduzierten Störungen nicht nur täglich Konsumierende betreffen, sondern auch Personen mit einem weniger häufigen Konsum. Hoher Konsum und Einstieg in den Cannabiskonsum in jungen Jahren sind nach wie vor die zentralen Indikatoren für konsumbedingte Störungen.

Nach wie vor ein undurchsichtiger Markt

Wie bei unseren Nachbarn ist es schwierig, Eigenarten und Umfang des Cannabismarkts in der Schweiz zu erfassen. Eine Schätzung geht mittlerweile von einem Volumen von 1300 Tonnen für die gesamte Europäische Union aus.1  Aus den polizeilichen Daten lässt sich schliessen, dass die Verkaufspreise in den fünf untersuchten Ländern stabil sind und die THC-Werte des Cannabis' auf dem Markt steigen. Die Zunahme der Beschlagnahmungen von Marihuana verweist auf die wachsende Verbreitung des Produkts, von dem zumindest ein Teil vor Ort produziert werden dürfte.

1(EBDD (2016), "UE Drug markets report", EBDD, Lissabon)

Möglichkeit milderer Strafen, aber immer mehr Anzeigen

In allen untersuchten Ländern bestehen neben Strafverfolgungen mit schärferen Sanktionen auch vereinfachte Verfahren und ein geringeres Strafmass (Bussen, Verwarnung), ohne dass immer zu erkennen wäre, wann und weshalb welche Sanktion zur Anwendung kommt. In allen Ländern ist ausserdem eine steigende Anzahl registrierter Gesetzesverstösse zu beobachten, wobei die Anzahl der Verstösse in der Schweiz insbesondere verglichen mit Deutschland und Frankreich hoch ist.

Besseres Erfassen der Entwicklungen ist methodisch anspruchsvoll

Aufgrund dieser ersten regionalen Analyse lassen sich Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen der Schweiz und ihren Nachbarländern feststellen. Sie belegt auch die Lücken in den Monitoringsystemen zum besseren Verstehen des problematischen Konsums sowie von Struktur und Volumen des Cannabismarkts – zweier gewichtiger Variablen, wenn man eines Tages die Auswirkungen von Änderungen in der Cannabispolitik messen will.

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Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Mehr als 200 000 Personen unterstützen unsere NGO.

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