Sucht Schweiz – Geschenke, Reisen, exklusive Partys, Gratiszigaretten - wie die Tabakindustrie Junge verführt
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Geschenke, Reisen, exklusive Partys, Gratiszigaretten - wie die Tabakindustrie Junge verführt

12. August 2014, 10:00

Das Projekt zur Beobachtung der Tabakprodukte-Marketingstrategien beleuchtet die Vorgehensweisen der Tabakindustrie. Der dritte Resultate-Teil zeigt die Praktiken auf den Websites der Tabakmarken, in den sozialen Netzwerken und bei der Organisation exklusiver Privatpartys. Sowohl inhaltlich als auch von der Kommunikationsform her steht hinter diesen Marketingmitteln die Absicht, ein junges Publikum zu begeistern, indem sie Zugang zu Privilegien erhalten (Geschenke, Reisen, exklusive Partys) und animiert werden, über die sozialen Netzwerke eine bestimmte Marke zu unterstützen. Diese Praktiken sind wirkungsvoll und gehen hart an die Grenze der geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Eine zwischen Ende September 2013 und Juni 2014 von CIPRET-Vaud zusammen mit Sucht Schweiz und CIPRET Fribourg durchgeführte Studie dokumentiert von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Praktiken, wie sie die Tabakindustrie zur Werbung für ihre Produkte und Marken bei jungen Menschen einsetzt.

Individualisiertes Marketing via Marken-Sites

22 Tabakmarken-Sites fürs Schweizer Publikum wurden genau betrachtet. Zwölf davon waren Minderjährigen zugänglich, zehn hingegen beschränkten den Zugang via die Erfassung von Identitätskartendaten auf Volljährige. Auf diesen Websites mit sehr «jungem» Bildmaterial (Abb. 1) kann man an Wettbewerben mit attraktiven Preisen (Velos, Festivaleintritte, Reisen usw.) teilnehmen, Gratiszigarettenpäckchen bestellen, erhält aber auch Informationen über die Produkte der Marke sowie die von ihr organisierten oder gesponserten Ereignisse. Sobald man sich auf diesen Sites anmeldet, werden regelmässig E-Mails mit Angeboten, Aufforderungen zur Teilnahme an den Wettbewerben und Informationen zu den Aktivitäten der Marke zugeschickt. Zwar beschränkt die Alterskontrolle via Identitätskarte in der Theorie den Zugang auf Erwachsene, aber sie ermöglicht es der Industrie zugleich, persönliche Daten von Tausenden potenzieller Kunden zu sammeln.

Kinder und Jugendliche machen in den sozialen Netzwerken Tabakwerbung 

Beobachtet wurden auch soziale Netzwerke, insbesondere Facebook, Twitter und YouTube. Während die Tabakmarken in den sozialen Netzwerken recht aktiv sind, gerade für das Schweizer Publikum mit spezifischen Seiten, sind es in den sozialen Netzwerken vor allem die Nutzerinnen und Nutzer selbst, die indirekt für die Tabakmarken werben. So zeigt beispielsweise auf YouTube eine beträchtliche Anzahl Videos so genannte «Smoking Reviews». Darin bekommt man Menschen, oft Kinder (Abb. 2) oder Jugendliche, zu Gesicht, die sich beim Rauchen filmen und den Geschmack der Zigarette kommentieren. Die Industrie ist nicht a priori Urheberin dieser Videos, unternimmt aber auch nichts, um sie blockieren, nein, sie scheint sie vielmehr zu fördern, indem sie den gefragtesten Kommentatoren Zigarettenmuster zustellt.

Exklusive Partys ziehen Junge an

Zu den neuen von der Tabakindustrie entwickelten Techniken gehören auch die Organisation oder das Sponsoring exklusiver Ereignisse, Privatpartys zum Beispiel (Abb. 3), Modeschauen, Jachturlaub in Griechenland, Wochenenden im Viersternhotel in den Bergen usw. Zutritt erhält man auf Einladung oder nach Wettbewerbsteilnahme, via Hostessen an Bars und Festivals oder über die Marken-Websites. Bei diesen gänzlich kostenlosen Ereignissen ist das Werbematerial der Marke omnipräsent, und den Teilnehmern werden oft Gadgets der Marke sowie Zigaretten verteilt. Ziel dabei ist, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine exklusive, unvergessliche Erfahrung zu bieten; sie erlangen einen privilegierten Status und werden bereitwillig zur Werbung für die Marke beitragen, indem sie die Information weiterverbreiten.

Diese Aktionen laufen den Empfehlungen der WHO-Tabakkonvention (FCTC) zuwider; sie ist eine Referenz in Sachen Tabakprävention und empfiehlt, bei Tabakerzeugnissen alle Arten von Sponsoring, Werbung und Verkaufsförderung gänzlich zu verbieten.

Der aktuell in der Vernehmlassung stehende Vorentwurf für ein Tabakproduktegesetz (TabPG) geht nicht so weit; Werbung und Verkaufsförderung via Mailings und soziale Netzwerke (also über Privatpersonen) würden weiterhin genauso erlaubt sein wie die Organisation von Privatpartys.

Projekt zur Beobachtung der Tabakprodukte-Marketingstrategien

Im Frühjahr 2013 haben CIPRET-Vaud zusammen mit Sucht Schweiz und CIPRET Fribourg das Observatoire des stratégies marketing pour les produits du tabac aus der Taufe gehoben. Die vom Tabakpräventionsfonds finanzierten Forschungsbemühungen zielen darauf ab, alle Formen von Werbung, Verkaufsförderung und Sponsoring bei Tabakprodukten in der Romandie zu dokumentieren und publik zu machen. Im Sommer 2014 werden die Resultate in verschiedenen Medienmitteilungen vorgestellt. 

LinksHerunterladen der Bilder in hoher Auflösung (32 MB)

Auskünfte

  • Michela Canevascini, Projektleiterin, 021 623 37 59 (auf Französisch)
  • Fabienne Hebeisen-Dumas, Leiterin CIPRET Freiburg, 026 425 54 15 (auf Französisch und auf Deutsch)

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