Sucht Schweiz – Geldspiel

Geldspiel: Die Position von Sucht Schweiz

Geldspiel-Facts

-Fast 1,6 Milliarden Franken (1577 Mio.): So viel betrugen die Bruttoeinnahmen der Lotterien und Casinos im Jahr 2015. Über 880 Millionen wurden davon umverteilt ► an die AHV/IV (Spielbankenabgabe), die Kantone (Gewinnsteuer für B-Casinos) sowie an gemeinnützige Projekte (Lotterien).
-Mehr als 8200 Verkaufsstellen für Lotteriespiele gibt es in der Schweiz und 21 Casinos sorgen für eine sehr hohe Dichte an Spielbanken.

Das Geldspiel und seine Folgen

-75‘000 Menschen in der Schweiz haben ein Problem mit dem Geldspiel: 47'000 gelten als problematisch Spielende und geschätzte 28'000 sind geldspielsüchtig.

-551 bis 648 Millionen Franken: Auf so viel werden die jährlich für die Gesellschaft anfallenden Kosten der Spielsucht geschätzt.

-Berufliche, finanzielle und juristische Konsequenzen (Verschuldung, Betrug etc.), familiäre Probleme sowie soziale Isolation zählen zu den Folgen für Betroffene und deren Angehörige.

Forderungen

Ein liberalisierter Geldspielmarkt braucht Massnahmen zum Schutz der Spielerinnen und Spieler. Für den Gesetzgeber stehen aber Steuereinnahmen aus Lotterien und Casinos im Vordergrund. Dies wirft Fragen auf, zumal gerade problematisch Spielende den Grossteil der Einnahmen aus Geldspielen generieren. Mit der Zulassung von Online-Casinos besteht das Risiko, dass die Probleme mit dem Geldspiel zunehmen.

Politischer Handlungsbedarf:

Prävention und Behandlung
der Geldspielsucht schlagen bei den Kantonen zu Buche. Sie erhalten dazu 0,5% vom Bruttospielertrag der Lotterien. Das ist ungenügend und stellt zudem eine Ungleichbehandlung gegenüber den Casinos dar, welche bisher keine Abgaben für die Prävention und Behandlung von Geldspielproblemen leisteten. Vor diesem Hintergrund fordert Sucht Schweiz auch von den Casinos eine entsprechende zweckgebundene Abgabe. Dies wäre umso mehr gerechtfertigt, weil die Casinos mit Online-Angeboten grössere Einnahmen generieren können und die Kantone die Folgekosten zu tragen haben.

Nötig wäre
eine gesetzlich verankerte unabhängige ExpertInnenkommission, die Behörden und Geldspielanbieter zu Fragen der Prävention, Früherkennung und Behandlung des exzessiven Geldspiels berät.

Die Alterskontrolle
zum Schutz von Minderjährigen weist Lücken auf. Lotterie-Automaten und elektronische Lotterien (Tactilos) müssten ebenso eine gesetzlich vorgeschriebene systematische Zugangskontrolle aufweisen wie Casinos.

Neues Geldspielgesetz

Das neue Geldspielgesetz soll das bisherige Spielbankengesetz sowie das veraltete Lotteriegesetz ablösen. Es folgt der internationalen Entwicklung auf dem Geldspielmarkt, indem es fortan Konzessionen für Online-Casinos vorsieht.

Das Parlament ist den Forderungen der Koalition zum Schutz der Spielerinnen und Spieler nur partiell gefolgt. Die beiden Hauptanliegen hat es nicht aufgenommen: dass auch Casinos eine Spielsuchtabgabe leisten müssen und dass eine unabhängige Expertenkommission zu Spielsuchtfragen eingesetzt wird.

  • Wer in der Schweiz künftig Online-Geldspiele anbietet, soll verpflichtet werden, eine Lizenz dafür zu erwerben und damit Auflagen zum Schutz der Spielerinnen und Spieler zu erfüllen. Nicht-lizenzierte Anbieter sollen mit so genannten Netz-Sperren vom Markt ferngehalten werden. Dies hatte bereits im Parlament viel zu reden gegeben. Im letzten Oktober haben mehrere Jungparteien sowie ein weiteres Komitee das Referendum lanciert, wobei ebendiese Sperrung ausländischer Online-Geldspiele moniert wird. Die Abstimmung über das Referendum fand am 10. Juni 2018 statt: das Geldspielgesetz wurde mit 72,9% der Stimmen deutlich angenommen.

  • Parallel zum Abstimmungskampf ist die Vernehmlassung zur Verordnung zum Geldspielgesetz am Laufen – ein Prozess, der aus Präventionssicht zuversichtlich stimmt. Die Verordnung präzisiert unter anderem die Massnahmen zur Prävention der Geldspielsucht und zum Schutz der Spielerinnen und Spieler.

Sucht Schweiz, Lausanne 2018

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