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Gesundheitsschäden durch Cannabis: Der Stand der Forschung

27. November 2014, 16:00

Der Australische Forscher Wayne Hall hat eine Aufsehen erregende Meta-Studie über die Folgen des Cannabis-Konsums veröffentlicht. Darin wurden sämtliche relevanten Ergebnisse der weltweiten Forschung der letzten 20 Jahre unter die Lupe genommen. Die meisten Resultate betreffen den regelmässigen (d.h. täglichen oder fast täglichen) Konsum.

Die Studie bestätigt, dass die gesundheitlichen Risiken zunehmen, je tiefer das Einstiegsalter und je regelmässiger der Konsum ist. Hier die Ergebnisse im Detail:

  • Es existieren keine Berichte zu Todesfällen auf Grund einer Cannabis-Überdosis.
  • Das Risiko, einen Autounfall zu verursachen, ist unter dem Einfluss von Cannabis doppelt so hoch wie in nüchternem Zustand. Nach einem Alkoholkonsum mit vergleichbarem Rausch ist das Unfallrisiko allerdings 6 bis 15 Mal so hoch wie bei Nüchternheit. Eine Kombination von Cannabis mit Alkohol potenziert das Risiko.
  • Das Abhängigkeitsrisiko wurde nun auch für Cannabis zweifelsfrei nachgewiesen. Die Studie ist aber zum Schluss gekommen, dass weniger Menschen, die in ihrem Leben jemals Cannabis konsumiert haben, davon abhängig geworden sind als dies bei Nikotin oder Alkohol der Fall ist. Man kann davon ausgehen, dass zehn Prozent der regelmässigen Cannabiskonsumenten abhängig sind. Unter den Konsumenten, die bereits in der Jugend angefangen haben, betrifft dies allerdings einen Sechstel.
  • Jugendliche, die regelmässig Cannabis rauchen, haben ein doppelt so hohes Risiko, die Schule abzubrechen wie Nichtkonsumierende. Die Gründe dafür sind Lernschwierigkeiten auf Grund des Konsums, Assoziation mit anderen Schulmüden sowie ein starker Wunsch, schneller erwachsen zu werden. Umgekehrt beginnen Jugendliche mit schulischen Schwierigkeiten eher, Cannabis zu rauchen als ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.
  • Jugendliche, die regelmässig Cannabis rauchen, haben ein doppelt so hohes Risiko, auch andere illegale Drogen zu konsumieren. Den Studien zu folge liegt dies an den pharmakologischen Effekten der Substanz selber, aber auch am Zugang zu anderen illegalen Drogen über die selben Verkaufskanäle, sowie an der vorexistierenden Neigung von Cannabiskonsumierenden zu risikovollerem Verhalten.
  • Regelmässig Konsumierende, die bereits in der Jugend mit dem Rauchen von Cannabis begonnen haben, weisen eine Verminderung der kognitiven Fähigkeiten auf. Es ist hingegen unklar, ob diese Fähigkeiten nach dem Ausstieg aus dem Konsum wieder voll wiederhergestellt werden oder nicht.
  • Bei regelmässige Konsumierenden besteht zudem ein doppelt so hohes Risiko, eine Psychose zu entwickeln. Allerdings handelt es sich um eine Grössenordnung von 14 (statt 7) Fällen auf 1000 Konsumierende. Dies betrifft vor allem Menschen mit einer psychischen Vorbelastung und Personen, bei denen ein Familienmitglied bereits von einer Psychose betroffen war. Zudem entwickeln Personen, die bereits als Jugendliche begonnen haben, Cannabis zu rauchen, schneller Psychosen als Nichtkonsumierende.
  • Die zu beobachtende erhöhte Depressivität unter Cannabisrauchenden konnte hingegen nicht auf den Cannabiskonsum zurückgeführt werden, denn sowohl Depression wie auch die Neigung, Cannabis zu rauchen scheint auf die gleichen Ursachen zurückzuführen zu sein.
  • Die Mehrheit der Cannabiskonsumenten raucht auch Zigaretten. Dies macht die Zuschreibung von Lungenproblemen schwierig. Nach der Meta-Analyse zu schliessen bleibt es deshalb unklar, ob Cannabiskonsumenten mehr Atembeschwerden haben als Nichtkonsumenten. Es existieren hingegen ernst zu nehmende Indizien, dass das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken bei Cannabisrauchenden doppelt so hoch ist wie bei Personen, die kein Cannabis rauchen. Im Vergleich dazu ist das Risiko für Lungenkrebs bei täglich Zigaretten Rauchenden um ein Vielfaches höher. Im Übrigen ist das Risiko für Hodenkrebs bei Cannabisrauchenden erhöht.
  • Schliesslich erhöht der Cannabiskonsum die Gefahr eines Herzinfarktes vor allem bei Menschen im mittleren und im späteren Lebensabschnitt.

Im Shop von Sucht Schweiz können im Übrigen Informationsbroschüren und pädagogische Unterlagen für Eltern und Schulen zum Thema Cannabis heruntergeladen werden.
Wayne Hall: What has research over the past two decades revealed about the adverse health effects of recreational cannabis use. In: Addiction 109 (2014): doi:10.1111/add.12703

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