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Was tun?

Für viele Nahestehende steht ein Gedanke im Vordergrund: Sie möchten die abhängige Person dazu bringen, mit dem Trinken aufzuhören. Dieser Wunsch ist verständlich, aber solange die abhängige Person die Veränderung nicht selbst will, sind in der Regel alle Bemühungen umsonst. Man kann niemanden dazu zwingen, mit dem Trinken aufzuhören. Zu diesem Schritt müssen sich Betroffene selbst entscheiden. Was bleibt also Nahestehenden zu tun? Sie können ihr eigenes Verhalten und ihre Haltung gegenüber der abhängigen Person ändern: nicht mehr Aufgaben an Stelle der betroffenen Person übernehmen, sie gegenüber Dritten nicht mehr entschuldigen, sich nicht mehr so stark vereinnahmen lassen und nicht mehr die Probleme und deren Konsequenzen für die betroffene Person tragen. Nahestehende müssen (neu) lernen, zu sich selbst Sorge zu tragen und den eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden.   

Beschreiben statt vorschreiben, fragen statt beschuldigen

Es ist für Nahestehende nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden und der abhängigen Person zu sagen, was sie fühlen und worüber sie sich Sorgen machen. Die abhängige Person kann sich angegriffen fühlen, sich verschliessen oder ablehnend reagieren. Es ist deshalb wichtig, dass Nahestehende bei Gesprächen von sich ausgehen. Sagen Sie was Sie belastet, wie Sie sich fühlen, was Sie beobachten, statt dem anderen zu sagen, was er tun soll: “Ich mache mir Sorgen, weil...“ statt “Du solltest...“; “Es macht mich traurig, dich so zu sehen“ statt “Du tust mir weh“; “Ich möchte, dass du mir zuhörst“ statt “Du hörst mir nie zu“. Fragen Sie, wie Ihr Gegenüber die Situation sieht. So entsteht ein Dialog, in dem beide Seiten ihre Sichtweisen und Bedürfnisse einbringen können und sich das Gegenüber nicht angegriffen fühlt.

Grenzen setzen statt kontrollieren

Die abhängige Person kontrollieren oder den Konsum einschränken zu wollen, führt häufig dazu, dass sie ihre Krankheit noch stärker leugnet. Nahestehende können jedoch Grenzen setzen um klar zu machen, was sie bezüglich dem Konsum bereit sind zu tun und/oder zu ertragen. Sie können sich zum Beispiel weigern mit ins Auto zu steigen, wenn die betroffene Person berauscht ist oder verlangen, dass sie nicht in ihrer Anwesenheit konsumiert.

Verantwortung abgeben statt schützen

Für viele Nahestehende ist es sehr schwierig mit anzusehen, wie ein abhängiger Mensch unter seiner Situation leidet. Sie versuchen, den Betroffenen in schwierigen Situationen zu entschuldigen oder sich darum zu kümmern, dass es ihm wieder besser geht. Für die abhängige Person kann das bedeuten, dass sie dadurch nur wenig Unangenehmes erlebt. Wozu soll sie also etwas ändern wollen? Es ist jedoch wichtig, dass ein abhängiger Mensch die Verantwortung und die Konsequenzen für seinen Konsum selbst tragen muss. Zum Beispiel sollen Nahestehende die abhängige Person nicht entschuldigen, wenn sie zu spät zur Arbeit kommt oder einen Arzttermin vergisst. Dies ist nicht immer einfach. Es ist aber wichtig der betroffenen Person zu helfen, sich der Folgen ihres Konsums bewusst zu werden.

Sich entlasten statt schweigen

Aus Scham verschweigen Nahestehende häufig das Problem oder versuchen es zu vertuschen. Das Tabuisieren von Abhängigkeitserkrankungen hindert Nahestehende oft daran, Unterstützung zu suchen. Das Schweigen ist dadurch mit Leiden und Isolierung verbunden. Nahestehende aber haben das Recht – und häufig auch das Bedürfnis – über das, was sie erleben, zu sprechen. Die Entscheidung, sich trotz bzw. wegen der Krankheit des anderen zu ändern, ist manchmal schwierig und macht es notwendig, Unterstützung in seinem sozialen Umfeld und/oder bei Fachpersonen anzunehmen.

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