Rückfall

Wenn sich jemand aus einer Abhängigkeit befreit, verändert sich dieser Mensch unter Umständen sehr stark. Für Nahestehende ist es häufig nicht leicht, sich darauf einzustellen. Manchmal ist es für sie schwierig, wieder ein Gleichgewicht zu finden, Verantwortung abzugeben und der betroffenen Person wieder Vertrauen zu schenken. Es ist wichtig, dass die Erwartungen und Rolle der Betroffenen und Nahestehende geklärt werden. Es ist wichtig gemeinsam darüber zu sprechen, wie bei einem Rückfall vorzugehen wäre, was man voneinander erwartet und wo man bei Bedarf Unterstützung holt.

Wie reagieren bei einem Rückfall?

Nahestehende erleben einen Rückfall häufig als Niederlage. Sie fühlen sich verraten, entmutigt und beschuldigen die abhängige Person. 

Rückfälle gehören auf dem Weg aus einer Abhängigkeit häufig dazu und dürfen nicht einfach als Misserfolge betrachtete werden. Die Abhängigkeit hat sich meist über lange Zeit entwickelt und es braucht oft auch Zeit um zu lernen, wieder ohne Suchtmittelkonsum auszukommen. Rückfälle zeigen Schwachpunkte auf, mit denen sich die betroffene Person noch weiter auseinandersetzen muss, um den Ausstieg zu schaffen. 

Nahestehende sollten die betroffene Person auf den Rückfall ansprechen. Im Idealfall ohne diese zu beschuldigen und ohne den Rückfall zu verharmlosen. Zentral ist herauszufinden, warum es zum Rückfall kam und wie ein solcher in Zukunft verhindert werden kann. 

Mein Freund hat wieder mit Drogen angefangen.
Mein Freund hatte damit aufgehört, Drogen zu konsumieren, aber er hat vor kurzer Zeit wieder damit angefangen. Das Problem ist, dass ich es nicht mehr ertrage, ihm zuzusehen, wie er sich zerstört und ich weiss nicht, was tun, damit er definitiv damit aufhört. Könnten Sie mir einen Rat geben, was ich tun kann? Ich fühle mich wirklich verloren. Vielen Dank.

Guten Tag !
Ich kann Ihre Entmutigung verstehen. Aber Sie können nicht an seiner Stelle entscheiden, definitiv mit dem Konsum aufzuhören. Bei einer Drogenabhängigkeit kommt es im Prozess des Aufhörens oft zu Rückfällen. Entscheidend ist dann,  herauszufinden, was diesen Rückfall ausgelöst hat und ob es sich dabei um einen Ausrutscher oder um einen echten Rückfall in die Abhängigkeit handelt. Es ist an Ihrem Freund, sich von einem Arzt/einer Ärztin oder einer anderen Fachperson, die ihn begleitet, zu wenden.
Sie schreiben, dass Sie es nicht mehr ertragen, ihm zuzusehen, wie er sich zerstört. Es ist wichtig, dass Sie Ihre Grenzen kennen und anerkennen. Wenn diese Situation für Sie zu schwer ist, zögern Sie nicht, Abstand zu nehmen und eventuell auch eine (vorübergehende) Trennung ins Auge zu fassen. In dieser Situation ist es wichtig, zu sich selbst zu schauen und seinen eigenen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Paradoxerweise ist es auch das, was Ihrem Freund möglicherweise am meisten helfen wird.
Wir hoffen, Ihnen mit diesen Hinweisen weiterhelfen zu können. Bitte melden Sie sich jederzeit wieder, wenn Sie weitere Fragen haben! 

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