Elternnewsletter von Sucht Schweiz - April 2014


Liebe Eltern,
Die neuen Medien haben unseren Alltag überflutet. Mit ihnen eröffnen sich zahlreiche neue Möglichkeiten, sich zu informieren oder sich auszutauschen.
Inzwischen ist das Internet über verschiedene Medien zugänglich: angefangen vom PC im Wohnzimmer bis zum Handy, welches Ihr Kind den ganzen Tag mit sich herum trägt und manchmal sogar mit ins Bett nimmt.
In der Schweiz verfügen 95% der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren ein eigenes Mobiltelefon, 79% davon besitzen ein Smartphone (Studie JAMES 2012).
Mit dem Smartphone ist es selbstverständlich schwierig geworden, den Ratschlag, den PC in einem Gemeinschaftsraum zu installieren, um den Internetkonsum zu steuern, umzusetzen.
Aber wie ist es möglich den Smartphonegebrauch zu kontrollieren? Wie nutzen die Jugendlichen ihr Smartphone? Aus welchen Gründen soll man sich für dieses Thema interessieren? Diese Fragen werden in dem hier vorliegenden Eltern-Newsletter erläutert

 

                 Hilfe, mein Teenager hängt ständig an seinem Smartphone!

Der Schlaf der Jugendlichen

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Obwohl sie eigentlich neun Stunden Schlaf bräuchten, damit ihr Organismus richtig funktionieren kann, schlafen Jugendliche im Durchschnitt etwas weniger als acht Stunden pro Nacht. Die Nutzung von neuen Medien hängt mit diesem Schlafmangel zusammen.
Tatsächlich aktiviert das Lichtspektrum der Bildschirme das Gehirn, hemmt die Bildung von Melatonin (Schlafhormon) und verzögert somit das Einschlafen.

Der Schlafmangel hat Folgen: Verminderung der Konzentrationsfähigkeit, Tagesschläfrigkeit, Reizbarkeit, Aggressivität und wahrscheinlich auf längere Dauer auch Sinken der Schulleistungen und Absenzen. Folgen, welche sich keine Eltern wünschen!

  • Die Zeit des Zubettgehens sollte sich zwischen 21 und 22 Uhr bewegen, damit 9 Stunden Schlaf garantiert werden können.
  • Das Nutzen von Bildschirmen (Fernsehapparate inkl.) sollte in der Stunde vor der Schlafenszeit vermieden werden. Mögliche Alternativen dazu bilden: Gesellschaftsspiele, Diskutieren mit der Familie, Lesen, Zeichnen, Ausspannen, usw.
  • Mögliche Rituale: Eine Stunde vor dem Zubettgehen werden alle tragbaren Medien in einen Korb gelegt, der sich in einem Gemeinschaftsraum befindet.
  • Ein langer Mittagsschlaf sowie kleine Nickerchen, welche mehr als 10 Minuten dauern, sollten vermieden werden.
   

Die mit dem Handy verbundenen Tätigkeiten

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Ihr Jugendlicher ist ständig an seinem Handy. Aber was tut er in dieser Zeit?

Neben den üblichen Funktionen von Mobiltelefonen (SMS, Uhrzeit, Telefon), nutzen zwei Drittel der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren ihr Handy täglich oder mehrmals pro Woche, um Musik zu hören, im Internet zu surfen oder als Wecker.

58% nutzen soziale Netzwerke, 56% fotografieren oder filmen und 46% spielen Videospiele. Etwa ein Drittel der befragten Jugendlichen schauen täglich oder mehrmals pro Woche Videos an, checken ihre E-Mails oder versenden Fotos und Videos.

     

Die Mädchen und die Jungen

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Die Jungen nutzen alle Funktionen des Handys häufiger als die Mädchen, vor allem was das Spielen von Videospielen und das Anschauen von Videos betrifft (JAMES 2012).
Zu beachten ist auch, dass Jungen lieber Actionspiele, Sportspiele oder Egoshooter spielen und Mädchen lieber Simulationsspiele spielen, die eine soziale Dimension beinhalten (Bspw.: Sims).
In der Regel, d.h. egal, welches Medium genutzt wird, spielen 59% der Jungen, jedoch nur 19% der Mädchen täglich oder mehrmals pro Woche.
Online Rollenspiele (MMORPG), Egoshooter oder Actionspiele haben ein höheres Suchtpotenzial als Sportspiele.

     

Resultate aus der Forschung bestätigen, dass eine schwierige Schulsituation (Angst in die Schule zu gehen, Fehlen von Unterrichtsstunden, schlechte Noten, schlechte Integration in der Klasse) ein Risikofaktor für das Auftreten einer Spielsucht ist.
Ein geringes Selbstwertgefühl ist ein weiterer wichtiger Risikofaktor. Unter folgendem Link finden Sie ein Angebot, welches Jugendlichen hilft, ihr Selbstwertgefühl zu stärken: www.meinselbstwertgefühl.ch.

Die Kehrseite der Medaille

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Wir wissen, wie man Smartphones benutzt und wie man sich im Internet einloggt, aber was wissen wir über ihren Herstellungsprozess und das Recycling?
Über den Lebenszyklus eines Smartphones zu diskutieren, kann Ihren Jugendlichen dazu bringen, sein Telefon von einer anderen Seite zu betrachten.

Hier dazu ein paar Fakten:
Um die 1.8 Milliarden Handys herzustellen, welche im Jahr 2011 verkauft wurden, wurden 16'000 Tonnen Kupfer, 6‘800 Tonnen Kobalt und 43 Tonnen Gold verarbeitet. Diese Rohstoffe werden häufig unter erbärmlichen Bedingungen gewonnen, sowohl für die Arbeiter, als auch für die Umwelt.
Weltweit werden weniger als 3% der gebrauchten Handys an Recyclingstellen zurückgebracht. Viele enden auf Müllhalden unter freiem Himmel und verseuchen dort die Böden und vergiften die Bevölkerung.
(Mobiltelefone: Smarte Technik - schmutziges Geschäft, n. 231, Erklärung von Bern.)

   

Sie sind dran!

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  • Interessieren Sie sich dafür, wozu Ihr Kind sein Handy nutzt. Tauschen Sie sich über die Möglichkeiten und Inhalte aus, teilen Sie Ihr Können. Dies ist eine Chance für Ihr Kind, Ihnen seine Fähigkeiten zu zeigen. Loben Sie es dafür!
  • Legen Sie mit Ihrem Kind ein "Zeitbudget" für die Mediennutzung fest, diskutieren Sie dieses von Zeit zu Zeit und passen Sie es bei Bedarf an.
  • Legen Sie die Räumlichkeiten und Zeitpunkte der Nutzung fest (nicht während des Essens, nicht auf der Toilette, z.B.)
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Sicherheitsregeln. Erklären Sie ihm, was legal und was verboten ist.
  • Sprechen Sie über gefährliche Inhalte! 2% der Mädchen und 19% der Jungen haben schon pornographische Filme über ihr Handy empfangen (JAMES 2012).
  • Sprechen Sie über das Risiko von Cybermobbing.
  • Machen Sie auf die Kosten der Spielapplikationen aufmerksam.
  • Informieren Sie sich über die Art der Spiele, die Ihr Kind spielt.
  • Legen Sie Wert auf die nicht virtuellen Aktivitäten: Sport, mit Freunden etwas unternehmen, Musik, Lesen, usw.
  • Sie sind ein Vorbild für Ihr Kind: Haben Sie Schwierigkeiten "abzuschalten"?
  • Geben Sie ein Beispiel, indem Sie übereinstimmend in Ihren Worten und Taten agieren!
   

Viele weitere Informationen sind hier verfügbar:

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Websites:

Broschüren:

  • Surfen, Gamen, Chatten - mit Kindern und Jugendlichen über Internetnutzung sprechen
    Herunterladen
    und Bestellen
  • Infoblatt der Berner Gesundheit für Eltern: "cybersmart.ch"
    Herunterladen
  • Die wichtigsten Tipps für den sicheren Umgang mit digitalen Medien
    Herunterladen
     
Und wenn nichts mehr geht und das Thema zum Mittelpunkt aller Streitereien wird, zögern Sie nicht und holen Sie sich professionelle Hilfe.

Welches Alter für ein Smartphone?

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Um einen sicheren Umgang zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die ersten Schritte im Internet in Begleitung erst ab 9 Jahren zu unternehmen. Von einer früheren Anwendung wird abgeraten.
Erklären Sie Ihrem Kind, was das Recht auf eine Privatsphäre ist, das Recht Bilder zu nutzen und die drei Grundregeln: Alles was im Internet steht, ist öffentlich, es bleibt dort auf unbestimmte Zeit, desgleichen müssen für eine seriöse Information immer mehrere Quellen miteinander verglichen werden. Ab 12 Jahren kann Ihr Kind alleine im Internet surfen, jedoch nicht auf allen Internetseiten, nicht um jede Uhrzeit und am besten nicht in seinem Zimmer.
Kurz gesagt: Kein Smartphone vor 12 Jahren, und von 12 bis 15 Jahren mit eingeschränktem Gebrauch.

   
Sucht Schweiz ist eine unabhängige Stiftung. Wir danken allen, die uns unterstützen.

PC: 10-261-7