Der Elternnewsletter von Sucht Schweiz – Was hört Ihr Kind?


"I'm in love with the coco"1, "I can't feel my face when I'm with you"2… Sagen Ihnen diese Refrains etwas? In diesen Liedern, die bei vielen Jugendlichen sehr angesagt sind, geht es um Kokain. Wie soll man als Eltern darauf reagieren?

 

 

1  "Ich bin in Koks verknallt" (O.T. Genasis, CoCo 2015)
2  "Ich kann mein Gesicht nicht spüren, wenn ich bei dir bin", (The Weeknd, Can't feel my face, 2015)

Die Musik nimmt einen wichtigen Platz im Leben der Jugendlichen ein

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Musik begleitet die Jugendlichen fast überall hin: auf dem Weg zur Schule, nach Hause, zuhause, im Bett usw. Gemäss einer Studie von 2014 gehört Musikhören zu den beliebtesten Aktivitäten der Jungen und Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren.

Beim Heranwachsen emanzipieren sich die Musikgeschmäcker Ihrer Kinder und sie hören kaum noch, was Sie ihnen vorlegen. Rock, Pop, Trap, Metal oder alles durcheinander… sie haben ihre Clique gewählt und ihre Vorlieben lassen Sie bisweilen perplex. Die Musikindustrie schreckt weder vor Sexismus noch vor Gewalt zurück und psychoaktive Substanzen erklingen ebenfalls oft in den Kopfhörern der Jugendlichen. Sex, Drugs & Rock'n'roll eigentlich nichts Neues also!

Aber es ist nicht nur die Musik, die Ihre Kinder fasziniert, sondern auch die Künstler selber und ihr Leben. Natürlich lassen sich die Jugendlichen in ihrer Identitätssuche von ihren Idolen beeinflussen. Und über Instagram oder Snapchat können sie einen Blick in das Leben – jedenfalls das, was sie davon preisgeben wollen – erhaschen. Damit wird der Alltag der Künstlerinnen und Künstler in Szene gesetzt, womit sie die Jugendlichen inspirieren und sie träumen lassen. Natürlich ist das auch ein ausgezeichnetes Mittel, um Marketing zu betreiben – nicht vergebens stösst man auf diesen Plattformen auf Schritt und Tritt auf Wodkamarken und Luxus-Handtaschen … Wirkung garantiert!

Aber welche Haltung soll man Personen gegenüber einnehmen, die Ihre Kinder so stark beeinflussen können und vorbehaltlos Drogen verherrlichen? Anstatt sich dem zu verschliessen, nehmen Sie es doch als Chance und packen sie die Gelegenheit beim Schopf, um den Alkohol- und Drogenkonsum Ihrer Kinder anzusprechen.

   
Foto: Fotolia

Kennen Sie seine/ihre Vorlieben?

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Egal ob Sie ständig online oder eher ein Technikmuffel sind, nehmen Sie sich die Zeit, sich für die Vorlieben Ihrer Kinder zu interessieren und dafür, was sie vor dem Bildschirm machen und in ihren Kopfhörern läuft. Versuchen Sie sich unvoreingenommen dafür zu interessieren, was sie hören. Bitten Sie sie darum, Ihnen ihre Musik oder die Clips zu zeigen, die sie lieben. Tauchen Sie in die Welt seiner/ihrer Stars ein, indem Sie Zeit mit Ihrem/r Jugendlichen in den sozialen Medien verbringen.

Es ist schön, anzuerkennen was Ihr Sohn oder Ihre Tochter gut kennt und mag: Tanzt Ihr Sohn ganze Choreographien auswendig? Singt Ihre Tochter alle Songs von Beyoncé auf Englisch? Ermuntern Sie sie/ihn doch, nach mehr Infos zu suchen oder sich mit der Geschichte des Stils, der ihm/ihr gefällt zu beschäftigen. Es ist auch die Gelegenheit, seinen/ihren kritischen Geist der Musikindustrie und den Medien gegenüber zu schärfen – was auch immer es gerade ist: Was bedeutet der Text dieses Liedes? Wovon erzählt der Song? Was will er sagen? usw.. Und vielleicht werden Sie so einen ganz besonderen Moment mit ihrem/r Jugendlichen verbringen, so wie dieser Vater mit seiner Tochter in Amerika.

   

Seine/ihre Lieblingslieder handeln von Drogen. Verharmlosen oder zensurieren?

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I'm in love with the coco geht nicht unbemerkt durch die Ohren Ihrer Kinder. O.T. Genasis besingt seine Liebe zu Kokain, welches er sehr billig gekauft hat. In seinem Videoclip zeigt er sogar sein Rezept zur Herstellung von Crack…
In I can't feel my face when I'm with you spricht the Weeknd zwar subtiler aber nicht weniger nachdrücklich über seine Liebe zu Kokain. Diese zwei Beispiele englischer Songs erinnern Sie vielleicht an andere Lieder, auf die Ihre Kinder abfahren.

Sollte man seinen Kindern gewisse Lieder verbieten? Oder warum singen nicht auch Sie ein Lied mit, das die halbe Welt mitsummt? Anstatt gleich alle Vorlieben Ihrer Kinder zu übernehmen oder sofort alles in Verruf zu bringen, gilt es, die gute Mitte zu finden. Hier einige Tipps:

  • Ermutigen Sie Ihre Jugendlichen, einen kritischen Blick auf die sozialen Medien und die Clips zu haben: Nicht alles, was man online sieht, wiederspiegelt das richtige Leben. Künstler, Blogger und sogar die eigenen Freunde zeigen nur das, was sie zeigen wollen. Halten Sie Ihr Kind dazu an, sich Gedanken zu machen über die Art und Weise, wie Drogen und Alkohol in den Videos dargestellt werden.
  • Sagen Sie, wenn Sie mit einem Songtext nicht einverstanden sind und erklären Sie weshalb. Zum Beispiel weil er Gewalt verherrlicht, sexistisch ist oder Drogen cool findet.
  • Stellen Sie klar, dass Sie keine solchen Liedtexte bei sich zuhause hören wollen. Verbieten können Sie sie in Anbetracht der leichten Verfügbarkeit wohl kaum.
  • Fordern Sie, dass gewalttätige Texte nicht in der Gegenwart von kleinen Geschwistern abgespielt werden.
  • Das Logo "Parental Advisory – Explicit Lyrics" auf den CD's gibt darüber Auskunft, dass es sich um anstössige, gewalttätige Liedtexte handelt. Im Internet sind solche Songs mit einem "E" gekennzeichnet, das für "Explicit" steht. Dieser Hinweis zielt nicht darauf ab, solche Songs zu zensurieren, sondern dass Sie eine gewisse Verantwortung übernehmen, wenn Ihre Kinder diese hören. Gewisse Videoportale bieten diesen Hinweis ebenfalls an (YouTube leider nicht). Es ist an Ihnen zu beurteilen, ob Sie möchten, dass Ihr Kind solche Inhalte zu Gehör bekommt. Am besten bildet man sich seine eigene Meinung dem Alter des Kindes entsprechend.
  • Und es gibt keinen Anlass zu dramatisieren. Erinnern Sie sich daran, was Sie früher gehört haben. Schauen Sie wohlwollend hin und tauschen Sie sich aus.
     

Reden Sie mit ihnen, sie hören zu!

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Als Elternteil müssen Sie Stellung zu Äusserungen und Verhalten beziehen, insbesondere wenn Sie finden, dass sie inakzeptabel sind (Drogenkonsum, Gewalt, Sexismus). Ihre Kinder erwarten von Ihnen, dass Sie Grenzen setzen. Gewisse Verhaltensweisen sollten nicht unter dem Vorwand, dass sie omnipräsent sind, verharmlost werden. Manchmal haben Eltern den Eindruck, dass ihre Worte bei einem Ohr rein und beim anderen gleich wieder rausgehen, aber Kinder hören zu. Vertrauen Sie sich und vertrauen Sie ihnen!

Das Team von Sucht Schweiz

   

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Hintergrundwissen, um besser diskutieren zu können:

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Sucht Schweiz, Februar 2016