Der Elternnewsletter von Sucht Schweiz, September 2016 – Mein Körper und ich


Ihre Tochter macht ein Selfie nach dem anderen und besteht darauf, sich ab jetzt nur noch „gesund“ zu ernähren? Ihr Sohn geht neuerdings ins Fitnessstudio und interessiert sich für Proteinpräparate?

In den sozialen Netzwerken kursieren viele neue Trends, welche die Wahrnehmung von Jugendlichen stark beeinflussen. Vorwiegend junge Mädchen wollen durch Fotos von ihrem Körper beweisen, wie dünn oder schön sie sind. Diese versehen sie mit Hashtags wie #Thighgap - das Vorhandensein einer Lücke zwischen den Oberschenkeln - oder #A4waist - wo die Taille nicht breiter sein darf als ein A4-Blatt.

Wie können Jugendliche trotz medialer Reizüberflutung und immer absurderen Schönheitsidealen ein positives und gesundes Verhältnis zu ihrem Körper entwickeln?

 

Die Pubertät ist eine Phase des Wandels und der Verunsicherung. Die Jugendlichen stehen vor verschiedenen Entwicklungsaufgaben, suchen ihre Rolle in der Gesellschaft, in der Familie und unter Gleichaltrigen. Der Körper entwickelt und verändert sich, die Jugendlichen vergleichen sich mit anderen und nicht selten mit schwer erreichbaren Leistungs- und Schönheitsidealen.
Viele Jugendliche sind mit ihrem Körper unzufrieden, darunter auch viele, die schlank sind 1.

Während heutzutage einem gesunden Körpergewicht viel Beachtung geschenkt wird, darf nicht vergessen gehen, dass auch eine positive Einstellung zum eigenen Körper für das Wohlbefinden zentral ist.

Was ist ein gesundes Körperbild?

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Eine Person mit einem positiven und gesunden Körperbild fühlt sich wohl in ihrem Körper und akzeptiert ihn, so wie er ist. Sie respektiert ihren Körper und kümmert sich um seine Bedürfnisse; ernährt, bewegt, entspannt und pflegt sich in gesundem Mass. Ausserdem ist sie in der Lage, unrealistische Körperideale zu hinterfragen und aus der heutigen Informationsflut die für sie günstigen und stärkenden Inhalte herauszufiltern.
Diese Herausforderungen beschäftigen selbstverständlich nicht nur die Jugendlichen. Auch wenn Sie selbst zeitweise ein schwieriges Verhältnis zu ihrem Körper haben, können Sie Ihren Jugendlichen dabei unterstützen, ein positives Körperbild zu entwickeln.

   

Was können Sie tun, um bei Ihrem Jugendlichen ein positives Körperbild zu fördern?

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Als Eltern haben Sie eine Vorbildfunktion für Ihr Kind und können ihm gesundes Verhalten vorleben und eine gesunde Lebensweise fördern. Die folgenden Tipps, Denkanstösse und Fragen können Sie sowohl auf Ihr eigenes Körperbild als auch auf Ihre Einstellung und Reaktionen zum Körper Ihres Kindes anwenden.

   

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1. Schützen Sie sich und Ihre Tochter/Ihren Sohn vor negativen Einflüssen.

  • Der Einfluss der Medien auf das Körperbild ist bei Mädchen grösser als bei Jungen. Negativ wirken sich auch Kommentare des nahen sozialen Umfelds (Freundinnen, Eltern, Jungen) aus, welche unrealistische Schönheitsideale vermitteln.
  • Klären Sie Ihre Tochter und Ihren Sohn über die in den Medien verbreiteten unrealistischen Körperideale auf. Dadurch kann verhindert werden, dass diese Ideale als erreichbar und erstrebenswert angeschaut werden.

2. Diskutieren Sie mit Ihrem Jugendlichen über verschiedene Definitionen von Schönheit.

  • Was empfinde ich als schön? Wann fühle ich mich schön? Was galt als schön vor 100 oder vor 200 Jahren? Was gilt als schön in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten?

Siehe den Genderfilm auf YouTube: "In meiner Haut…"

3. Entwickeln Sie mit Ihrer Familie ein wohlwollendes Verhalten dem eigenen Körper gegenüber.

Diskutieren Sie mit Ihrem Jugendlichen darüber, wie man auf seinen eigenen Körper hören und sich um ihn kümmern kann:

  • Was kann mein Körper? Was mache ich gerne mit meinem Körper? Wann fühle ich mich wohl? Wann fühle ich mich unwohl in meiner Haut?

Vermeiden Sie negative Kommentare über den Körper Ihrer Tochter/Ihres Sohnes:

  • Wie äussere ich mich über meinen Körper? Wie äussere ich mich über den Körper von anderen?

Nehmen Sie die Bedürfnisse Ihres Körpers nach Schlaf, gesunder Ernährung, Bewegung und Ruhe wahr und fördern Sie diese auch bei Ihrem Jugendlichen:

  • Was tut meinem Körper gut?

Dass Ihr Kind einmal mehr oder weniger isst, etwas zu- oder abnimmt oder sich zwischendurch beim Sport verausgabt, ist nicht gleich ein Hinweis für eine Essstörung oder eine Fitnesssucht. Wenn Sie sich jedoch ernsthafte Sorgen um die Gesundheit Ihres Jugendlichen machen, dann sprechen Sie dies offen an und wenden Sie sich an Ihre/n Kinder- bzw. Hausarzt/-ärztin oder eine andere Fachperson. 

   

Weitere Informationen und Links

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  • Anlaufstellen für Informationen und Beratung zum Thema Essstörungen
    PEP (Prävention Essstörungen Praxisnah)
    AES (Arbeitsgemeinschaft Essstörungen)

Haben Sie weitere Fragen? Rufen Sie uns an, wir beraten Sie anonym und kostenlos: 0800 104 104
Konsultieren Sie unsere Rubrik "Rat und Hilfe"

Quellen
1 Archimi, A., Eichenberger, Y., Kretschmann, A. & Delgrande Jordan, M. (2016) Habitudes alimentaires, activité physique, usage des écrans et statut pondéral chez les élèves de 11 à 15 ans en Suisse - Résultats de l’enquête « Health Behaviour in School-aged Children » (HBSC) 2014 et évolution au fil du temps (Rapport de recherche No 78). Lausanne: Addiction Suisse.

Forrester-Knauss, C. (2014). Positives Körperbild bei Jugendlichen. Gesundheitsförderung Schweiz Arbeitspapier 29, Bern und Lausanne.

Schulte-Abel, B., Borrelli, C.T., Schär, C. & Schneiter, Q. (2013). Gesundes Körperbild – Healthy Body Image. Gesundheitsförderung Schweiz Arbeitspapier 3, Bern.

 

Sucht Schweiz, September 2016