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Individuelle Risikofaktoren

Alkohol und andere Drogen sind für jeden Menschen ein Risiko. Aber: Bezüglich der „Verletzlichkeit“ sind wir individuell verschieden. Es gibt Menschen, die schneller abhängig oder vom Konsum geschädigt werden als andere. Es gibt auch Faktoren, die vor Suchtmittelkonsum oder -missbrauch schützen und andere, die das Risiko erhöhen. Die Zusammenhänge sind allerdings komplex und bis heute nicht restlos geklärt. Am Beispiel von Alkohol soll gezeigt werden, wie diese individuellen Unterschiede aussehen können:

Körpergewicht

Bei Personen mit kleinerem Körpergewicht wirkt dieselbe Menge Alkohol stärker als bei schwereren Personen, weil der Alkohol auf weniger Körpermasse verteilt wird. Das bedeutet auch, dass bei leichteren Personen das Risiko von Schädigungen grösser ist.

Geschlecht

Der Körper von Frauen enthält anteilsmässig mehr Fett und weniger Wasser als der Körper von Männern. Das bedeutet, dass sich bei Frauen dieselbe Menge Alkohol auf weniger Wasser verteilt. Frauen müssen also vorsichtiger sein: Gleich viel Alkohol führt bei ihnen zu einer höheren Konzentration von Blutalkohol als bei einem gleich schweren Mann. Allerdings missbrauchen Frauen Alkohol sehr viel seltener und werden seltener alkoholabhängig als Männer. Der unterschiedliche Gebrauch hängt stark mit Rollennormen zusammen.

Alter

Vor allem wegen ihres kleineren Körpergewichts sind Kinder und Jugendliche anfälliger für die schädlichen Wirkungen von Alkohol. Bei kleinen Kindern kann schon wenig Alkohol eine tödliche Atemlähmung bewirken. Junge Personen können Alkohol weniger gut abbauen als Erwachsene, und oft können sie die Wirkung noch weniger gut einschätzen. Organe, die noch in Entwicklung sind, sind besonders anfällig auf Alkohol, so z.B. das Gehirn. Häufiger Alkoholkonsum behindert natürlich auch die Persönlichkeitsentwicklung und die Auseinandersetzung mit dem Erwachsenwerden. Je früher der Alkoholkonsum beginnt, desto grösser ist das Risiko, später im Leben eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Jugendliche, die unter schweren Belastungen leiden und zur „Entlastung“ Alkohol missbrauchen, sind besonders gefährdet.Mit zunehmendem Alter verträgt man Alkohol wieder weniger gut, weil er sich weniger gut im Gewebe verteilt und länger im Körper bleibt. Dieselbe Menge Alkohol führt bei älteren Menschen zu einer höheren Konzentration von Blutalkohol als bei jüngeren Erwachsenen. Dies kann tragische Folgen haben, z.B. Autounfälle oder Stürze. Viele ältere Menschen nehmen auch Medikamente ein. Für sie gilt (wie für alle Personen, die Medikamente konsumieren): Unbedingt mit einem Arzt oder Apotheker über das Zusammenwirken von Alkohol und Medikamenten sprechen!

Gesundheitszustand

Kranke und Personen, die Medikamente einnehmen, müssen mit ihrem Arzt besprechen, ob Alkohol ihnen zuträglich ist, und wenn ja, wie viel. Bei bestimmten Erkrankungen ist Vorsicht geboten, z.B. wenn ein Organ betroffen ist, das durch Alkohol noch stärker belastet würde. Zudem beeinflussen sich Alkohol und Medikamente oft auf unvorhersehbare Weise, was zu schwerwiegenden Problemen führen kann.

Schwangerschaft

Alkohol gelangt von der Mutter zum werdenden Kind und kann bei diesem schwere Missbildungen verursachen (fötales Alkoholsyndrom).

Genetische Unterschiede

Nach Berechnungen amerikanischer Forscher ist Alkoholismus mit hoher Wahrscheinlichkeit zu 48 bis 58 Prozent genetisch bedingt. Den Rest bestimmen die Einflüsse einer unterschiedlichen Umwelt im späteren Leben. Bei Söhnen alkoholkranker Väter gibt es eine Gruppe, die Alkohol anders im Körper abbaut. Achtung: Eine genetische Veranlagung führt nicht zwangsläufig zu einer Alkoholkrankheit! Sie kann sich als Erkrankung äussern. Ob es dazu kommt, hängt auch vom Lebensstil und den konkreten Lebensrisiken ab. Diese genetische Veränderung gibt es offenbar auch bei Töchtern von alkoholkranken Vätern, allerdings in etwas schwächerer Form. Zwischen Menschen gibt es auch Unterschiede bezüglich der Empfindlichkeit für durch Alkohol verursachte Erkrankungen. Auch diese Unterschiede können genetische Ursachen haben. Bei den einen kann schon wenig Alkohol eine Erkrankung hervorrufen, bei anderen kommt es erst bei grösseren Mengen zu vergleichbaren Schädigungen.

Lebensumstände

Eine belastende Lebenssituation erhöht die Gefahr einer Abhängigkeit. Wenn versucht wird, durch Alkoholkonsum Belastungen auszublenden, ist das Risiko besonders gross. Dieses Verhalten kann sich zu einer Gewohnheit entwickeln und in eine Abhängigkeit münden. Nicht Alkohol trinken, wenn man sich schlecht fühlt!

Persönlichkeit

Ein Risikofaktor für die Entstehung einer Abhängigkeit kann auch die Persönlichkeit sein. Starkes Verlangen nach Glückserlebnissen oder Rausch, Neigung zu Flucht und Verdrängung, tiefe Frustrationstoleranz, Sinnleere können eine Suchtentstehung begünstigen.

Umwelt

Belastende Konkurrenzsituationen, Mangel an Zukunftsperspektive, schlechte Umwelt- und Lebensqualität können die Entstehung einer Sucht fördern. Deswegen ist es wichtig, dass Prävention auch immer an der Gesellschaft und der Lebenswelt des Menschen ansetzt, das heisst auf der strukturellen, politischen Ebene.

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