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Geschlecht/Gender

Das Geschlecht in seiner biologischen und soziokulturellen Ausprägung beeinflusst den Gebrauch psychoaktiver Substanzen sowie die Ursachen einer Abhängigkeit.

Konsummotive

Bei den Konsummotiven (soziale Motive, Verstärkungsmotive, Bewältigungsmotive sowie Konformitätsmotive) finden sich nur geringe Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Einzig bei den Bewältigungsmotiven ("um Probleme zu vergessen", "um sich aufzumuntern" etc.) zeigt sich eine Differenz zwischen den 15-jährigen Schülerinnen und Schülern, wobei diese Kategorie von Motiven von Schülerinnen häufiger genannt wurde als Schülern. In Bezug auf die Suchtursachen leiden Jungen unter anderem an einem Mangel an männlichen Bezugspersonen und realen männlichen Vorbildern. Mädchen lernen im Rahmen der Sozialisation zu wenig, eigene Grenzen zu erkennen und zu respektieren, sich in Beziehungen nicht zu verlieren und Nein zu sagen.
Quelle: Resultate der HBSC-Schülerbefragung aus dem Jahr 2014.

Gewalterfahrungen

Körperliche Gewalterfahrungen werden von beiden Geschlechtern etwa gleich häufig genannt, während mehr Mädchen und Frauen unter sexuellen Traumatisierungen leiden.

Geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigen

Geschlechteraspekte finden, so zeigte eine Befragung von Suchtpräventionsfachstellen, noch keine umfassende Berücksichtigung in präventiven Interventionen. Es liegen nur wenige Ansätze vor und selbst diese berücksichtigen vor allem die biologischen, aber kaum die kulturellen und sozialen Aspekte von Geschlecht (gender). Dabei ist nicht nur die Frage zu stellen, inwiefern das Geschlecht Konsum- und Suchtverhalten beeinflusst, sondern auch, wie sehr ein bestimmter Umgang mit Suchtmitteln dazu dient, die eigene Weiblichkeit oder Männlichkeit im Alltag darzustellen und gegenüber dem anderen Geschlecht zu verdeutlichen.

  • Um mehr über die geschlechterspezifischen Unterschiede zu erfahren, beteiligt sich Sucht Schweiz am internationalen Forschungsprojekt GenACIS. Dieses befasst sich mit den geschlechts- und kulturbedingten Unterschieden in Trinkmustern, dem Konsumumfeld, alkoholbedingten Problemen sowie der Gewalterfahrung in der Partnerschaft und vergleicht diese zwischen mehr als 35 Ländern. 

  • Im Rahmen des nationalen Aktionstages Alkoholprobleme hat Sucht Schweiz gemeinsam mit der Arbeitsgruppe die Genderfrage in folgenden Jahren thematisiert: 

    2009 Männerwelt Alkohol 
    2002 Alkoholprobleme betreffen Frauen - auch!
  • Der Bericht „Sucht und Männlichkeit“ (Sucht Schweiz, 2006) analysiert verschiedene Faktoren für den Konsum psychoaktiver Substanzen bei Männern und die damit verbundenen Probleme. Er schliesst mit Empfehlungen für eine männerspezifische Suchtarbeit, die in die Prävention, die Behandlung, das Gesundheitswesen und die Forschung einfliessen sollten.

Neu in diesem Dossier:

KURZFILME: Der kleine Unterschied

Suchtentwicklungen und problematisches Verhalten wie zum Beispiel der Fitnesswahn oder Essstörungen im Jugendalter haben auch mit wahrgenommenen Geschlechterrollen zu tun. Mit der Lancierung von fünf Kurzfilmen sowie Materialien für den Unterricht und für Aktivitäten in Gruppen von 13- bis 16-Jährigen sollen Konsummuster und Motive genderspezifisch beleuchtet und hinterfragt werden. Ziel der Filme ist es, Mädchen und Jungen darin zu unterstützen, Belastungen konstruktiv zu bewältigen und voneinander zu lernen.

Film und Materialien: www.genderundpraevention.ch
Kontakt: nrimann@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

Gender und Konsum

Unterschiede in Konsummustern, Konsummotiven sowie Risiko- und Schutzfaktoren bei Suchtentwicklungen machen deutlich, dass die Suchtprävention geschlechterspezifische Gegebenheiten berücksichtigen muss: So werden zum Beispiel Medikamente deutlich öfter von Frauen konsumiert und missbraucht als von Männern. Dies betrifft vor allem Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel. Handelt es sich jedoch um Dopingmittel wie anabole-androgene Steroide überwiegt der Konsum bei den Männern deutlich. Frauen konsumieren Suchtmittel oft heimlich oder im privaten Raum während Männer dies eher im öffentlichen Raum tun. Männer werden auch häufiger von Alkohol und illegalen Drogen abhängig. Hier sind zwei Drittel der Betroffenen Männer.

Zur Erklärung der festgestellten Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden vor allem biologische, sozialisationstheoretische und entwicklungspsychologische Ansätze herangezogen.

Kontakt und Anfragen

Nadia Rimann
Tel. 021 321 29 84
nrimann@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch 

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