Postulate der Prävention
Lust statt Verbot
Prävention hat eine optimistische Grundhaltung und stellt positive Aspekte in den Vordergrund. Sie motiviert, stärkt und fördert. Prävention will nicht verbieten, ängstigen oder moralisieren. Sie muss sich an der Frage orientieren, was zur Förderung von Wohlbefinden, Gesundheit, Lebensfreude und Lebenssinn getan werden kann.
Verständnis und Offenheit
Die Prävention muss sich immer bewusst sein, dass sie nicht weiss, was für den einzelnen Menschen richtig und gut ist. Deshalb ist es wichtig, aufmerksam hinzuhören, um die Motivationen und Bedürfnisse der Menschen kennen zu lernen und berücksichtigen zu können. Verhaltensweisen haben mit Motiven und Bedürfnissen zu tun – das gilt auch für den Konsum von Drogen. Die Prävention muss wissen, was Menschen dazu bringt, Drogen zu konsumieren, um ihnen bessere Problemlösungsstrategien und Verhaltensmöglichkeiten anbieten zu können.
Glaubwürdigkeit und Kohärenz
Die Prävention orientiert sich einerseits an Personen, bezieht sich andererseits auf politische und soziale Rahmenbedingungen. Es ist wichtig, hier Kohärenz und Glaubwürdigkeit zu finden. Kohärenz zwischen Worten und Taten, zwischen Theorie, Praxis und Gesetz, aber auch zwischen gesundheitspolitischen sowie ökonomischen Aspekten. In einer Gesellschaft, in der die Werbung den Menschen glaubhaft macht, dass Glück und Gesundheit über Konsumgüter zu erreichen seien, ist es nicht immer leicht, an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren und darauf zu zählen, dass sie in sich selbst Ressourcen finden, um ihr Leben zu gestalten. Die Gesellschaft trägt hier einen Teil der Verantwortung, und die Prävention sieht es als ihre Aufgabe, hier Brücken zu schlagen.
Praktisch und realistisch
Prävention kann einiges zu einem gesunden Leben beitragen, aber sie kann nicht alle Risiken ausschalten und jedes schädliche Verhalten verhindern. Man darf auch nicht vergessen, dass sogar die Sorge um die Gesundheit zur Besessenheit werden und Sicherheitsfanatismus in eine Abhängigkeit führen kann.
Prävention kann nicht verhindern, dass Menschen mit Drogen in Kontakt kommen. Aber sie kann einen Beitrag dazu leisten, dass Personen Probleme bewältigen können und nicht zu Drogen greifen, um sich zu entlasten. Und sie kann dazu beitragen, dass jemand, der Drogen konsumiert, sich so wenig wie möglich schadet und möglichst rasch den Ausstieg schafft.
