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Filme als Risikofaktor für problematisches Trinken?

13. April 2012, 09:21

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Szenen von Alkohol konsumierenden Menschen in Filmen und dem Rauschtrinken Jugendlicher. Länderspezifische kulturelle Unterschiede spielen dabei offenbar kaum eine Rolle. Dies legt eine jüngst in der amerikanischen Fachzeitschrift Pediatrics publizierte Studie – die grösste dieser Art - nahe. Sechs Forschungszentren aus Deutschland, Island, Italien, Polen, Holland und Schottland führten die Studie parallel durch.

Beteiligt waren rund 16‘500 Schülerinnen und Schüler mit einem Durchschnittsalter von 13 Jahren aus 114 öffentlichen Schulen. Die Studie zeigt zum einen, dass Jugendliche in Europa viele populäre Filme zu sehen bekommen, in denen Alkohol getrunken wird. In allen Ländern stellte sich zum anderen heraus, dass Jugendliche, die sich Filme mit Szenen Alkohol konsumierender Menschen ansehen, eher über Trunkenheitserlebnisse berichten. Die Schülerinnen und Schüler gaben im Rahmen einer anonymen schriftlichen Befragung an, ob sie bestimmte Filme gesehen haben, wobei in jedem Land eine Auswahl an 50 beliebten Filmen abgefragt wurde. Zudem beantworteten sie die Frage, wie oft sie in ihrem Leben bei einer Trinkgelegenheit fünf oder mehr alkoholische Getränke konsumiert haben.

Alkohol weiterhin bagatellisiert

Die Studienmethode setzt der Interpretation Grenzen, da sie keine direkte Kausalität zeigen kann. Es fällt zwar auf, dass Filmkonsum und Rauschtrinken der Jugendlichen zusammen auftreten, wobei die zeitliche Abfolge unbekannt bleibt. Die Frage also, ob Rauschepisoden auf Filmerlebnisse folgen, beantwortet die Studie nicht.
Eines ist klar: Die Studie zeigt einmal mehr, dass der Alkoholkonsum gesellschaftlich breit akzeptiert und im Allgemeinen verharmlost wird. Filmszenen suggerieren, dass der Alkohol zum Leben und zum Feiern gehört. Wie in anderen gesellschaftlichen Kontexten wird der Konsum positiv und banalisierend dargestellt. Dies zeigt im Übrigen auch die Werbung für einige Biersorten deutlich.
Es ist anzunehmen, dass in der Schweiz eine solche Studie zu ähnlichen Resultaten führen würde. Filmemacher täten gut daran, Szenen mit Alkohol kritisch anzugehen und diesen für Jugendliche möglichen Risikofaktor zu vermeiden.

Der Link zur Studie.
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