Sucht Schweiz – Cannabis

Cannabis: Die Position von Sucht Schweiz

Cannabis-Facts

- Cannabis ist die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Substanz. Trotz des gesetzlichen Verbots gibt fast ein Drittel (31.3%)  der Schweizer Bevölkerung ab 15 Jahren an, schon Erfahrung mit Cannabis gemacht zu haben.

- Rund 3% der Bevölkerung gaben im Jahr 2015 an, in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Cannabis konsumiert zu haben. Dies entspricht einer Anzahl von etwa 210'000 Personen, die in der Schweiz aktuell Cannabis einnehmen. Etwa ein Fünftel davon gab an, täglich zu konsumieren.

- Etwa drei Viertel der aktuell Cannabisgebrauchenden findet sich in den Altersgruppen unter 35 Jahren. Bei den 15-34 Jährigen gaben etwa 9% an, im letzten Monat vor der Befragung Cannabis konsumiert zu haben.

- Etwa 12% der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in der Schweiz haben nach eigenen Angaben im letzten Monat vor der Befragung Cannabis konsumiert. (HBSC 2015).

Cannabis und seine Folgen

- Die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums hängen von vielen Faktoren ab (Häufigkeit und Gebrauchsdauer, Dosierung, Konsumsituation, Gesundheitszustand und  psychische Veranlagung der Konsumierenden). Die Risiken betreffen die Atemwege (Krebsrisiko) sowie akut eingeschränkte Gedächtnisleistungen. Ebenfalls besteht ein Zusammenhang zwischen Cannabisgebrauch und Psychosen sowie Depressionen, vor allem bei häufigem Konsum sowie bei einem frühen Einstieg. Ebenso birgt der längerfristige Gebrauch von Cannabis das Risiko, eine Abhängigkeit zu entwickeln.

- Es wird geschätzt, dass etwa die Hälfte der aktuell Cannabisgebrauchenden unter 25 Jahre alt sind und auch der Anteil problematisch Konsumierender ist unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen grösser als in höheren Altersgruppen. Jugendliche sind dabei, sich körperlich und psychisch zu entwickeln und sind daher anfälliger für dessen Auswirkungen. Zudem können auch vorübergehende cannabisbedingte Probleme in wichtigen Momenten im Leben (z.B. während der Ausbildung) ihre Zukunft entscheidend beeinflussen.

- Die Behandlungsnachfrage im Zusammenhang mit cannabisbezogenen Problemen ist in den letzten Jahren in der Schweiz wie europaweit angestiegen. Dies dürfte mit einem zunehmenden regelmässigen Konsum zu tun haben, mag aber auch durch steigende Zuweisungen durch die Justiz und ein breiteres Behandlungsangebot beeinflusst sein. Siehe auch: ambulantes Hilfsangebot.

Unsere Empfehlungen

Wie die vergleichsweise hohen Prävalenzzahlen zeigen, lässt sich der Cannabiskonsum nicht durch ein Verbot verhindern, hingegen entsteht infolge des Verbots ein Schwarzmarkt, der unter anderem zu Kriminalität und hohen Kosten für die Allgemeinheit (Strafverfolgung, Polizei) führt. Zudem führt die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Praxis und der entsprechenden Rechtsgrundlage zu einem Glaubwürdigkeitsproblem der Politik. Vor diesem Hintergrund befürwortet Sucht Schweiz die Entwicklung von neuen Modellversuchen, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden.
Im Rahmen einer Regulierung von Cannabis würden eine Reihe von Massnahmen zur Verfügung stehen, um gesundheitspolitische Ziele zu verfolgen:

- Einschränkung der Attraktivität
Gesundheitspolitisches  Ziel wäre, mit einer Besteuerung der Produkte Präventionsmassnahmen zu finanzieren sowie die Nachfrage über die Preise zu beeinflussen.

-Einschränkung der Verfügbarkeit

Ziel wäre, durch  eine Regulierung des Vertriebs die Erhältlichkeit einzugrenzen, die Zusammensetzung der  Produkte zu kontrollieren (Deklaration der Inhaltsstoffe)  sowie die Drogenmärkte zu trennen.  

- Frühintervention beim problematischen Gebrauch
Ziel wäre, Rahmenbedingungen für den Zugang zu und Früherkennung von problematisch Konsumierenden zu schaffen sowie problematische Konsumformen zu minimieren.

Zur Zeit sind die Erfahrungen und Erkenntnisse zu den Auswirkungen von neuen Regulierungsmodellen für den Cannabis-Markt noch rar, weshalb die aktuellen Entwicklungen aufmerksam verfolgt und wissenschaftlich begleitet werden sollen.

Aktualität

In der Schweiz haben neun Städte eine Arbeitsgruppe gebildet, um Projekte für die regulierte Abgabe von Cannabis zu entwickeln. Diese Projekte sollen in einem Bewilligungsantrag an das Bundesamt für Gesundheit zusammengefasst werden. In Bern, Zürich, Basel und Genf werden Ansätze mit einer engen therapeutischen Begleitung für Personen, die Cannabis zu medizinischen Zwecken konsumieren, und solchen, die einen problematischen Umgang damit haben erarbeitet. Auch andere Konsumierende könnten über Clubs oder in Apotheken an Cannabis gelangen. Diese Vorhaben sind für eine sehr begrenzte Anzahl Konsumierende geplant.

International sind seit einigen Jahren in verschiedenen Ländern Regulierungsbestrebungen im Gang. So haben mehrere US-amerikanische Staaten den Gebrauch von Cannabis legalisiert und weitere stimmen über die Regulierung ab. Uruguay hat 2014 als erster souveräner Staat Cannabis legalisiert und weitere Staaten wie z.B. Kanada sind bestrebt, diese Substanz in naher Zukunft ebenfalls zu regulieren. In einer Reihe europäischer Staaten, darunter Spanien, Italien, Belgien, Niederlande u.a. steht die Debatte rund um die Cannabislegalisierung wieder auf der politischen Agenda. Siehe auch: Cannabiskonsum in Europa.

Sucht Schweiz, Lausanne, 2017

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Weiterführende Informationen

zum Cannabiskonsum in der Schweiz finden Sie ausserdem im Suchtmonitoring Schweiz des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Das Forschungsprojekt, mit dessen Durchführung unter anderem Sucht Schweiz beauftragt wurde, hat zum Ziel, repräsentative Daten der Schweizer Wohnbevölkerung zum Thema Sucht und Konsum psychoaktiver Substanzen zusammenzutragen.

 
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