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Sucht als Familiengeheimnis - Sensibilisierung tut Not

22. Oktober 2015, 10:00

Sucht Schweiz / Illustratorin Gaëlle Pecoraro - www.organicdesign.ch

Wenn Papi oder Mami trinkt: Für rund 100'000 Kinder in der Schweiz ist dies Realität. Dazu kommt eine unbekannte Anzahl Kinder von Eltern mit einem anderen Suchtproblem. Überforderung, Scham- und Schuldgefühle prägen den Alltag der Kinder wie auch der Eltern. An einer Medienkonferenz in Bern stellt Sucht Schweiz zwei neue Angebote vor, welche eine wichtige Lücke in der Unterstützung suchtbelasteter Familien schliessen. Sie helfen, die Abhängigkeit als Krankheit zu verstehen, von den Erfahrungen anderer zu profitieren und sie ermutigen, Unterstützung zu suchen.

Sucht und Elternschaft kommt einem doppelten Tabu gleich. Sich als Vater oder Mutter einzugestehen, mit dem Suchmittelkonsum nicht nur sich selber, sondern auch dem Kind zu schaden, ist besonders schwierig. Viele Eltern versuchen, die Sucht vor ihren Kindern zu verheimlichen. Sie schämen sich, den Kindern nicht die nötige Zuwendung geben zu können. Von den Problemen in der Familie darf niemand erfahren, auch aus Angst, das Sorgerecht zu gefährden. Doch die Sucht prägt den Familienalltag. Die Kinder leiden unter der unberechenbaren Atmosphäre zu Hause, häufig unter Streit oder Gewalt. Sie wollen helfen und sind doch ohnmächtig. Oft fühlen sie sich gar schuldig, dass es dem Vater oder der Mutter nicht gut geht. Rund ein Drittel dieser Kinder leidet später selbst an einer Suchterkrankung und ein weiteres Drittel entwickelt andere psychische Probleme. „Sie sind somit die grösste bekannte Risikogruppe“, erklärt Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz.
Doch längst nicht in allen Familien wird das Suchtproblem an die nächste Generation weitergegeben. Wenn suchtkranke Eltern, ihre Partner wie auch die Kinder realisieren, dass sie mit dem Problem nicht alleine sind und Unterstützung für sich und die Kinder möglich ist, ist oft schon ein wichtiger Schritt getan. Hier setzen zwei neue, vom Nationalen Programm Alkohol (NPA) des Bundes unterstützte Projekte von Sucht Schweiz an, die sich auch in den Rahmen weiterer Aktivitäten des NPA einfügen.

Die Website www.elternundsucht.ch schliesst Lücke

Trotz immensen Belastungen suchen die meisten der betroffenen Eltern keine Unterstützung, welche sie in ihrer Elternrolle stärken könnte. Mit einem niederschwelligen Angebot in Deutsch und Französisch, das mit externen Fachleuten als auch mit betroffenen Eltern entwickelt wurde, baut Sucht Schweiz eine Brücke zwischen den Fachstellen und den Familien. Bislang einzigartig zeigt www.elternundsucht.ch beiden Elternteilen sowie weiteren Bezugspersonen betroffener Kinder wie Grosseltern oder Paten, was sie für das Kind tun können. Wie kann einem Kind die Suchterkrankung erklärt werden, wie kann Stabilität erlangt, wie seine Freizeit gestaltet werden? Wie kann es Kontakt zu Gleichaltrigen oder erwachsenen Bezugspersonen pflegen? Antworten auf diese und weitere Fragen stehen im Zentrum. Gleichzeitig werden Eltern ermutigt, kantonale Hilfsangebote zu nutzen.

Den Vater an den Alkohol verloren

"Als ich elf Jahre alt war, begann mein Vater zu trinken. Ab diesem Zeitpunkt verlor ich ihn. Gerne hätte ich mich jemandem anvertraut, traute mich aber nicht", erinnert sich die heute 49-jährige Malou (Name geändert). Kinder aus suchtbelasteten Familien leiden oft im Verborgenen. Diese Kinder zu unterstützen, zählt seit Langem zu den Kernaufgaben von Sucht Schweiz. Mit Hörgeschichten für 5- bis 8-jährige Kinder kommt nun ein neues Hilfsmittel dazu.

Hörgeschichten: Boby gibt betroffenen Kindern eine Stimme

Selbst wenn es der Mutter oder dem Vater nicht gelingt, das Suchtproblem in den Griff zu bekommen, kann viel für die Kinder getan werden. Zu den bedeutendsten Schutzfaktoren zählt, dass das Kind die Suchtkrankheit versteht, über das eigene Erleben sprechen kann und sich nicht schuldig und allein gelassen fühlt. Sehr oft geschieht aber genau das Gegenteil: Aus Überforderung, die Kinder auf altersgerechte Art und Weise auf die Belastungen in der Familie anzusprechen, wird die Problematik tabuisiert. Dies nicht nur in der Familie, sondern auch von Fach- und Erziehungspersonen. Genau hier knüpft das neue Projekt von Sucht Schweiz an.
Das Bilderbuch mit dem kleinen Hund Boby und seinem alkoholkranken Herrchen richtet sich an Suchtfachleute und Lehrpersonen, damit sie mit Kindern über die Alkoholkrankheit des Vaters oder der Mutter sprechen können. Das Buch wurde neu um vier Hörgeschichten mit Themen aus dem Alltag der Kinder erweitert. Die Geschichten zeigen ihnen, dass sie mit ihren Sorgen nicht alleine sind.

Schritt in die Öffentlichkeit

Um auf die schwierige Lage der Kinder aus suchtbelasteten Familien aufmerksam zu machen, regt Sucht Schweiz die öffentliche Diskussion zu diesem oft tabuisierten Thema an. Die aktuelle, mit einem Spendenaufruf verbundene Aktion am Postschalter sensibilisiert die Bevölkerung und erinnert, dass wir alle eine Verantwortung tragen, damit Suchtprobleme nicht von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. So wird der Kundschaft in mittelgrossen Postzentren ab dem 26. Oktober 2015 ein Schlüsselanhänger in Form eines Plüschhundes angeboten. Das Plüschtier Boby informiert mit einem Flyer über das Leben mit einer alkoholabhängigen Person und schildert die Situation betroffener Kinder.

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Auskunft:
Monique Portner-Helfer
Mediensprecherin
mportner-helfer@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 74

Die Stiftung Sucht Schweiz ist ein nationales Kompetenzzentrum im Suchtbereich. Sie betreibt Forschung, konzipiert Präventionsprojekte und engagiert sich in der Gesundheitspolitik. Das Ziel der Stiftung ist, Probleme zu verhüten oder zu vermindern, die aus dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen hervorgehen oder durch Glücksspiel und Internetnutzung entstehen. Mehr als 200`000 Personen unterstützen unsere NGO.

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Mediensprecher

Monique Portner-Helfer
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Tel: 021 321 29 74
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Markus Meury
mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

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oder 079 309 13 23 (Mittwoch bis Freitag)


Irene Abderhalden (Direktorin)
iabderhalden@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

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oder 078 866 27 13

 
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