Sucht Schweiz – Europäischer Drogenbericht 2018: Kokain, neue psychoaktive Substanzen und Fälle von Überdosis
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Europäischer Drogenbericht 2018: Kokain, neue psychoaktive Substanzen und Fälle von Überdosis

07. Juni 2018, 10:15

Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) veröffentlicht heute den Europäischen Drogenbericht 2018. Er weist eine erhöhte Verfügbarkeit von Kokain und der damit verbundenen Probleme nach. Auch andere Phänomene werden beschrieben, etwa die Verbreitung neuer psychoaktiver Substanzen (NPS), auch im Strafvollzug, der Internethandel von Benzodiazepinen und eine steigende Zahl von Todesfällen wegen Überdosis. Sucht Schweiz stellt die europäischen Ergebnisse in den schweizerischen Kontext.

Mehr und reineres Kokain

Eine vor kurzem veröffentlichte europäische Studie hat nachgewiesen, dass in den meisten untersuchten Städten die Kokainspuren im Abwasser zunehmen. Dies lässt sich teilweise darauf zurückführen, dass das Kokain heute einen höheren Reinheitsgrad aufweist als im letzten Jahrzehnt, wie der Europäische Drogenbericht 2018 vermerkt. Auch nehmen sowohl die Produktion in Südamerika wie auch die beschlagnahmten Mengen in Europa (70,9 Tonnen im 2016) zu. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach kokainbedingter Suchtbehandlung und Kokain ist bei notfallmässigen Spitaleinlieferungen die am zweithäufigsten genannte Droge.

Diese Entwicklungen gehen nicht unbesehen an der Schweiz vorbei.1  Die an der Abwasserstudie beteiligten Schweizer Städte weisen Kokainbelastungen aus, die zu den höchsten gehören. Die Daten der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin und die Drug-Checking-Projekte weisen ebenfalls einen deutlichen Anstieg des Reinheitsgrades von Kokain aus. Die Statistik act-info weist ihrerseits darauf hin, dass die Behandlungsnachfrage leicht zugenommen haben könnte.

1Sucht Schweiz wird nächstens eine umfassende Analyse des Kokainmarkts im Kanton Waadt publizieren, die das Ausmass und die Mechanismen dieses Markts verständlich machen soll.

Weniger neue psychoaktive Substanzen (NPS)

Die Zahl der bislang unbekannten Stoffe, die in Europa neu entdeckt wurden, ist im Sinken begriffen: 2017 waren es rund fünfzig, nachdem es 2014 und 2015 noch um die hundert gewesen waren. In den letzten etwa zehn Jahren wurden mehr als 670 NPS identifiziert. Am häufigsten sind dies mit 179 NPS die synthetischen Cannabinoide, wovon kürzlich zwei (ADB-CHMINACA und CUMYL-4CN-BINACA) der EU-Kontrolle unterworfen wurden, weil sie mit Todesfällen in Verbindung stehen. Sorgen macht auch das Auftreten synthetischer Opioide, wovon im Jahr 2017 rund zehn Fentanyl-Derivate waren. EMCDDA verweist auch darauf, dass die NPS im Gefängnisumfeld verbreitet sind.

Die Daten zum NPS-Konsum in der Schweiz sind rar, und die Beschlagnahmungen von NPS an den Zöllen werden nicht analysiert. Somit ist es schwierig, sich ein klares Bild über die Lage hierzulande zu machen. Die vereinzelten Untersuchungen legen nahe, dass in der Schweiz beim NPS-Konsum bislang nur eine geringe Prävalenz vorliegt. Zum NPS-Konsum im Strafvollzug liegen keinerlei Daten vor. Diese Lücke im Monitoring-System verunmöglicht eine Beurteilung der NPS-Prävalenzrate in diesem Umfeld.

Illegale Benzodiazepine auf der Strasse und im Internet

Zu den NPS, die in Europa seit 2015 entdeckt wurden, gehören auch vierzehn Benzodiazepine, die keinem der Moleküle der in der EU zugelassenen Medikamente entsprechen. Wie andere NPS werden diese Substanzen auch im Internet verkauft, sowohl im Darknet als auch über einfacher zugängliche Webseiten. Dieses Angebot ist beunruhigend, gerade auch, weil gewisse Konsumierende die Benzodiazepine kombiniert mit anderen Substanzen einnehmen.

Illegale Benzodiazepine wurden auch schon im Postverkehr Richtung Schweiz beschlagnahmt und gewisse Moleküle, die von der EMCDDA identifiziert wurden, stammen wahrscheinlich vom schweizerischen Referenzlabor für NPS. Doch fehlen die nötigen Daten, um das Ausmass ihrer Verbreitung in der Schweiz zu bestimmen.

Die Anzahl der Todesfälle wegen Überdosis verharrt auf hohem Niveau

Die Zahl der in Europa (EU, Norwegen, Türkei) erfassten Todesfälle wegen Überdosis ist 2016 zum vierten Mal in Folge angestiegen, und zwar auf etwa 9000 Fälle. Ungefähr die Hälfte der Verstorbenen ist 40-jährig oder älter, vier von fünf Todesfällen sind dem Konsum von Opioiden, vor allem Heroin zuzuschreiben, oft kombiniert mit anderen Substanzen (Benzodiazepine, Alkohol). Das Auftreten von Fentanyl-Derivaten in gewissen europäischen Ländern hat das Interesse für die Abgabe von Naloxon als Notmassnahme bei Überdosis neu geweckt.

Die Zahlen zu den Todesfällen wegen Überdosis in der Schweiz zeigen einen fast ungebrochenen Rückgang der Fälle zwischen 1995 (376) und 2012 (121). Seither ist die Zahl bis 2015, Jahr der letzten verfügbaren Daten, wieder leicht auf 132 angestiegen.

Schweiz und EMCDDA: engere Zusammenarbeit
Im September 2017 haben das Bundesamt für Gesundheit und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EMCDDA) eine Zusammenarbeitsvereinbarung unterzeichnet, dank der die beiden Partner in Zukunft einen regelmässigeren Wissensaustausch pflegen können.

Festival-Saison

Während der Festival-Saison können vermehrt Pillen und Pulver mit ungewissem Inhalt im Umlauf sein. Konsumierenden solcher Drogen ist zu empfehlen, sich über die Safer-Use-Regeln, die möglichen Risiken und die im Umlauf befindlichen gefährlichen Substanzen zu informieren. Diese Informationen stehen auf know-drugs.ch bereit oder bei den Präventionsangeboten an den Festivals, die zum Teil auch ein Drug Checking anbieten.

  • Nightlife Vaud: am Montreux Jazz Festival.
  • Safer Dance Swiss: am Burning Mountain Festival vom 27. Juni bis 1. Juli; am One Love Festival vom 4. bis 8. Juli; mit danno.ch am Shankra Festival (Graubünden) vom 10. bis 15. Juli.
  • danno.ch: mit Safer Dance Swiss am Utopia Festival (Tessin) vom 22. bis 24. Juni.
  • danno.ch: mit Safer Dance Swiss im Sonderzug Chiasso-Zürich zur Street Parade am 11. August.

Information:

Sucht Schweiz
Markus Meury
Mediensprecher
mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 63

EMCDDA
press@ich-will-keinen-spamemcdda.europa.eu
Klaudia Palczak, Tel. (+351) 211 21 02 94
EMCDDA, Tel. (+351) 211 21 02 00

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Monique Portner-Helfer
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oder 079 288 26 70 (Montag)/Dienstag/Mittwoch)

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