suchtschweiz.ch » Aktuell » Medienmitteilungen

Alkoholkonsum: Trinken vor dem Ausgang erhöht die Risiken

04. März 2013, 10:00

Um weniger Geld auszugeben, schnell betrunken zu sein oder sich in Stimmung zu bringen, beginnen junge Erwachsene mit dem Trinken oft schon vor dem Ausgang. Das so genannte Vorglühen verleitet dazu, an einem Abend fast doppelt so viel zu trinken. Es steigert die damit verbundenen Risiken erheblich.

Es ist bekannt, dass der Alkoholkonsum bei jungen Menschen besonders schwerwiegende Folgen haben kann - sowohl für ihre Gesundheit als auch für ihre Sicherheit und die der anderen. Ein Forschungsteam von Sucht Schweiz hat den Verlauf des Alkoholkonsums während eines Abends im Ausgang verfolgt und analysiert, wie viel, wo und zu welcher Stunde getrunken wird. Dabei wurden für die Prävention wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Vor dem Ausgang trinken: eine entscheidende Konsumphase

Die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierte Studie basiert auf der Analyse von 1441 Abenden im Ausgang. In einem Drittel der Fälle trinken die 20- bis 26-Jährigen bevor sie in den Ausgang gehen.
„Geld sparen“, indem man mit dem Trinken anfängt, bevor man sich in Bars und Diskotheken begibt, ist ein Grund, der von jungen Menschen in der wissenschaftlichen Literatur über Alkoholkonsum häufig genannt wird. Doch die Studie von Sucht Schweiz zeigt, dass dieses Vorgehen nicht dazu führt, dass im weiteren Verlauf des Abends weniger getrunken wird. Im Gegenteil: Die Teilnehmenden, die den ganzen Abend im Ausgang verbracht haben, konsumierten im Durchschnitt 4,2 Gläser, wohingegen 7,1 Gläser getrunken wurden, wenn der Abend zu Hause auf dem Sofa oder draussen auf der Gasse begann. Also fast doppelt so viel!
Das Vorglühen* beeinflusst somit die konsumierte Menge an alkoholischen Getränken. Die Folgen sind beunruhigend: Das Vorglühen erhöht die Menge, die während einer nächtlichen Sause konsumiert wird, statt sie zu ersetzen, was zu Alkoholexzessen führt. Dies wiederum geht mit grösseren Risiken wie Bewusstlosigkeit, Prügeleien oder Vandalismus einher. Daher ist diese Konsumform für die Prävention wichtig.

Konsequenzen für die Prävention

Der Zusammenhang zwischen Vorglühen und Rauschtrinken, den die Studie von Sucht Schweiz aufzeigt, spricht für die wichtigen strukturellen Massnahmen:

  • Der Zugang zu alkoholischen Getränken im Detailhandel soll am Abend eingeschränkt werden, damit Spontankäufe vor dem Ausgang vermieden werden.
  • Massnahmen, die den Verkaufspreis betreffen, bremsen ebenfalls den Alkoholkonsum. Deren Wirkung auf den Konsum wurde von zahlreichen Studien belegt.

Die Sensibilisierungsarbeit muss auch die Konsumverläufe berücksichtigen. Die Studie legt nahe, dass Ortswechsel während eines Abends im Ausgang oft einen höheren Alkoholkonsum nach sich ziehen, so als würde man den Zähler unbewusst immer wieder auf Null stellen, wenn man eine andere Bar oder Disko betritt. Um einen besseren Überblick über den gesamten Konsum eines Abends zu behalten, müssten die Nachtschwärmer dazu bewegt werden, die konsumierten Getränke zu zählen, und das ab dem ersten Bier, das aus dem Kühlschrank genommen wird, um ins Wochenende zu starten.
Die Sensibilisierung der Verantwortlichen von Bars und Nachtclubs scheint ebenso vorrangig: Wenn sie Personen in betrunkenem Zustand den Zutritt gewähren, riskieren sie eher, Alkoholexzessen und ihren Konsequenzen ausgesetzt zu werden.

Wo, wann, wie viel? – Immer bessere Umfragetechniken

Dank eines neuartigen Datenerhebungsverfahrens in Echtzeit konnten die Auswirkungen des Vorglühens auf den Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen und die dabei auftretenden Probleme festgestellt werden.
Konsumierende wurden in herkömmlichen Untersuchungen gebeten, die an einem Abend getrunkene Menge nachträglich anzugeben. In der aktuellen Studie haben die Teilnehmenden hingegen stundenweise einen Fragebogen per Mobiltelefon ausgefüllt, worin sie Angaben zum Ort und zur Anzahl der in der letzten Stunde konsumierten Getränke machten. Durch die zeitnahe Mitverfolgung des Aufenthaltsorts der Teilnehmenden, die in keinen anderen Forschungsarbeiten zum Alkoholkonsum so präzise war, wurde es möglich, die Konsumverläufe aufzuzeichnen. Dadurch wird ein wesentlicher Beitrag zum Wissen um die Wirkung des Trinkens vor dem Ausgang geleistet.

*Das Vorglühen schliesst alle Gelegenheiten vor dem Ausgang ein, bei denen Alkohol konsumiert wird, der im Detailhandel besorgt wurde.

Eine neue Studie von Sucht Schweiz, die vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziert wurde, legt die Häufigkeit und die Auswirkung des Vorglühens auf den Alkoholkonsum von jungen Erwachsenen dar sowie die damit einhergehende Problematik.

Die folgenden Artikel aus dieser Studie sind auf Anfrage erhältlich:
- Labhart, F. & Kuntsche, E. (2012). Du canapé au bistro – suivi de l’évolution de la consommation d’alcool des jeunes adultes durant les soirées de fin de semaine. Dépendances, 47, 26-3

- Labhart, F., Graham, K., Wells, S., & Kuntsche, E. (2013). Drinking Before Going to Licensed Premises: An Event- Level Analysis of Predrinking, Alcohol Consumption, and Adverse Outcomes. Alcoholism: Clinical and Experimental Research, 37(2):284-91.

Auskunft:
Simon Frey
Mediensprecher
sfrey@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 63

Seite druckenSendenRSS

Erreichbarkeit während der Feiertage

Bitte beachten Sie, dass unsere Büros vom 24. Dezember mittags bis 5. Januar 2015 geschlossen sind. Für Medienauskünfte stehen wir Ihnen anschliessend gerne wieder zur Verfügung.

Mediensprecher

Monique Portner-Helfer

mportner-helfer@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz.ch

Tel: 021 321 29 74

Markus Meury

mmeury@ich-will-keinen-spamsuchtschweiz

Tel: 021 321 29 63

Aktueller Newsletter

Hier finden Sie unseren aktuellen Newsletter:

Neuheiten von Sucht Schweiz - Dezember 2014

 
.hausformat | Webdesign, Typo3, 3D Animation, Video, Game, Print